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Viel Spass beim Stöbern und viel Inspiration zur Kreativität wünscht

EJ

© January 2016 E.J. Tolksdorf

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Foto: EJ Tolksdorf, StreetArt im Viertel in Bremen

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Kapitel 1: Mitten in der Nacht.

Buchkapitel aus: Craxy (2018) von Michael Gund

1996, Gettysburg

Dunkelheit und nebelige Rauchschwaden, umhüllen die Kleinstadt im Adams County im Süden von  Pennyslvania. Ein kleiner, in die Jahre gekommener Transporter der psychiatrischen Anstalt „Sheppard Pratt“ Health System fährt an der Carlisle Street entlang. Die meisten Departement Stores in der fast schon menschenleeren Straße sind geschlossen. Der einzige Store der geöffnet hat, ist der Drug/Grocery Store in der 52nd. Carlisle Street. Der Transporter steuert langsam auf den weitläufigen Parkplatz des Drug/Grocery Store zu. Aus dem Transporter steigt Prof. Dr. Frederic McGregor aus. Er ist ein sehr renommierter Arzt der psychiatrischen Anstalt „Sheppard Pratt“. Er studierte an den Universities of Harvard und Oxford, wo er seine Doktorarbeit mit „summa cum laude“ abschloss. McGregor begibt sich mit langsamen Schritten auf den Drug/Grocery Store zu. Auf dem Parkplatz befinden sich nur wenige Autos, ein roter Chevrolet Chevelle SS steht protzig zwischen zwei Parkplätzen. Der Besitzer des roten Chevelle SS heißt Crazy Joe, ein gutaussehender Bursche, 25 Jahre alt, führte die einzig familienbetriebene Autowerkstatt der Stadt. Ein paar Cheerleaderinnen der UC Gettysburg stehen vor dem Drug/Grocery Store. Crazy Joe lässt den Motor laut aufheulen um ihnen zu imponieren. Die Mädels zeigen sich wenig beeindruckt und lachen Crazy Joe aus. 

Crazy Joe lässt sich nicht entmächtigen und schreit lauthals:,,Ihr Ladys wollt doch alle mal mit Crazy Joes Ride eine Spritztour machen, ihr verrückten Cheerleader liebt doch alle Crazy Joe und könnt nicht genug von Ihm bekommen“, laut wiedergebend, hört man ein “haha haha haha“. Die Cheerleaderinnen zeigen Crazy Joe nun die kalte Schulter. Sekunden später braust auch Crazy Joe mit seiner amerikanischen Protzkarre in die Nacht hinaus. Drei Cheerleaderinnen begrüßen den gerade ankommenden Prof. Dr. McGregor. Im kleinen Städtchen ist eine Begrüßung gängig, denn jeder kennt sich hier in Gettysburg.

Old Jimmy betreibt den alten Drug/Grocery Store seit 1975, er ist ein kleiner Mann mit dicker Hornbrille, ein Patriot wie er im Buche steht. Er war als Infanterist im Vietnamkrieg 1956 beteiligt. Durch den Krieg hatte er einen leichten psychischen Schaden davon getragen, er ist dadurch sehr schnell und leicht reizbar geworden und fährt auch manchmal bei überschwänglichen Gründen aus der Haut, aber dennoch hat er das Herz am rechten Fleck. „Guten Abend Professor, was für eine Ehre sie in meinem Drug/Grocery Store begrüßen zu dürfen, was führt Sie hierher?“  McGregor, sehr erstaunt über die gute Laune von Old Jimmy. „Wir haben einen neuen Patienten aus dem benachbarten Strafgefängnis abgeholt, er wurde uns zugewiesen.“ Old  Jimmy schauderte verunsichert ins Leere und hinterfragte,  „Professor wir sind doch von dieser Gefahr sicher, er wird keiner Menschenseele etwas tun, oder?“ „Keinen Grund zur Sorge, Old Jimmy, ich gebe Ihnen mein Wort, wir werden den Patienten im Trakt C in Sicherheitsverwahrung unterbringen.“ „Sie brauchen sich wirklich keine Sorgen zu machen“, beteuerte Professor McGregor. Old Jimmy ließ sich nichts anmerken, auch ließ er sich nicht in die Irre führen, er behielt deshalb seine Gedanken für sich und beäugte, diese gerade erfahrene Information mit kritischem Blick. Professor McGregor nahm seine Bestellung auf und verabschiedete sich von Old Jimmy. Die psychiatrische Anstalt hatte Ihren Sitz hintern den hohen Hügeln von Gettysburg, die Fahrt dorthin war mit wenigen Strapazen verbunden, weil der dichte Nebel die Sicht versperrte. Zum Glück machte uns der neue Patient wenig bis keine Probleme, sodass wir ohne jegliche Komplikationen, die Anstalt pünktlich erreichten. Vor dem Tor der Anstalt warteten schon vier hochqualifizierte Pfleger auf uns, um unseren neuen Patienten in Empfang zu nehmen und dann in sichere Verwahrung zu bringen. 

Der Patient mit dem Namen Paul Stroke wurde von Kopf bis Fuß kontrolliert, dann nahm Schwester Elisabeth die persönlichen Daten des neuen Patienten auf, bis er dann später in den Trakt C für die besonderen Fälle gebracht wurde. Um in den Trakt C zu gelangen, musste man die Trakte A und B passieren. In Trakt A waren die Kurzzeitpatienten untergebracht, sie litten an Burn-Out, Schlafstörungen oder Vergleichbarem. In Trakt B wurden die Patienten untergebracht, die mit Ihren Problemen nicht mehr klar gekommen sind, die z.b. unter starken Depressionen oder Sozialphobie litten. Ihnen wurde geholfen, wieder den rechten Weg aus dem Teufelskreis zu finden und einzuschlagen. Was für viele zwar schwierig war, aber durch Prof. McGregors lehrreiche Methoden wurde den Patienten gut geholfen. Insgesamt beherbergte die „Sheppard Pratt“  Anstalt fünfzig Patienten. 

1970 wurde das „Sheppard Pratt“ von den Gebrüdern Stark erbaut. Der Mayor Lancaster und Prof. Dr. Mc Gregor eröffneten nach 3-jähriger Bauzeit die Pforten von „Sheppard Pratt“. Schon zum 1. Mai 1973 begrüßte die Anstalt, fünf verlorene Seelen. Der Anstalt wurde Leben eingehaucht. 

Lass die Uhren anders ticken (2018)

©Foto: Nienburg an der Weser, Oktober 2018, EJ Tolkdorf.

©Foto: Zartes Rosa im Himmelblau in Bremen, EJ Tolksdorf.

 

Ein Herbsttag an der Weser.

Malerisch schlängelt sich der Fluss.

Die Bäume spiegeln sich auf der Oberfläche des Wassers.

Das Licht verzaubert den Blick in die Weite.

Im Café der Lebenshilfe herrscht etwas Chaos, die Leitung ist krank.

Das warme Essensbuffet wird von Menschen mit Beeinträchtigung serviert.

Hier ticken die Uhren anders, es fühlt sich menschlich wohlwollend an.

Der Himmel um 5.30Uhr.

Fotografisch nicht einfangbar.

Wie zarte, fragile rosarote Zuckerwatte.

Die man als Kind bewundert.

Aber die eigentlich gar nicht richtig schmeckt.

Alles verklebt an den Fingern.

Dann wieder verschwimmen die Nuancen des Himmels innerhalb weniger Minuten von Tintenblau bis ins feine baby blue.

Aus den Schornsteinen dampft es beruhigend gen Himmel.

Dem Dampf könnte ich stundenlang und gedankenversunken zuschauen.

Wie beglückend.

Die kleinen Zufallsbeobachtungen.

Hier oben über den Dingen schwebend.

In schützender Distanz zur Welt

Mit Weitblick

Die tiefen Fenster machen es möglich:

Vom Bett aus blicke ich auf den funkelnden Sternenhimmel, der mich an meine Träume und Wünsche erinnert

Mit meiner 4jährigen Nichte ziehe ich durch die Gassen. Ich möchte ihr die Angst vor der Dunkelheit nehmen und sage ihr:

„Schau mal zu den Sternen, die begleiten uns immer. Sie sind immer da, wir sind nie alleine. Wenn du zu den Sternen schaust darfst du dir was wünschen. Aber du darfst es niemanden sagen was du dir gewünscht hast, sonst geht es nicht in Erfüllung“

Wir spazieren weiter.

Plötzlich sagt sie hoch erfreut „Schau mal, die Sterne verfolgen uns!“

Ich muss schmunzeln.

Babies und Kinder erinnern wie verletzlich, empfindsam und fragil der Mensch ist

Die harten Schutzmauern der erwachsenen Menschen, die auf Konkurrenz gepolt sind, verleugnen die Verletzlichkeit eines jeden Moments

Aber dienen die menschlichen Fassaden wirklich dem Schutze oder machen uns die Mauern erst angreifbar? Schaden uns die unnahbaren Fassaden mehr als dass sie uns tiefstes Inneres schützen?

Genau diese Frage stellte der diversitätsfreundliche Film „Touch me not“ (2018), der mich tief bewegt hat auf dem diesjährigen Queerfilmfestival in Bremen

Wann dürfen wir uns als Erwachsene menschlich zeigen?

Nur in privaten Rückzugsräumen wie Partnerschaft, Freundschaft und Familie?

Heimlich im Keller?

Wie psychopathisch müssen wir agieren, um beruflich erfolgreich zu sein?

Mit aufgesetztem Charme und verstecktem Überlegenheitsgefühl.

Mit emotionalem Geiz und Schadenfreude.

Mit schlechter Einarbeitung und Informationsfluss für neue Mitarbeitende, damit sie nicht besser werden als man selbst.

Die vermeintlichen Schwächen der Mitmenschen stets belächelnd.

Manipulativem Austricksen im kalkulierten Profilerungswahn.

Eine Fassade der Unverletzlichkeit und Unzugänglichkeit.

Roboterhafter Ableismus.

Unmenschliche Fehlerfreiheit.

Nein, es muss einen anderen Weg geben.

Andere Nischen.

Überzeugend mit Sinnhaftigkeit im Tun, Leidenschaft, Engagement, Herz und solidarischem Gemeinschaftssinn.

Lass mal die Uhren anders ticken.

Lass Menschen anders sein.

Nudel-Gemüseauflauf

●Bio (*) ● Anteil der geretteten Lebensmittel (GL) ●vegetarisch

Zutaten:

Spirelli aus Hartweizen*

Geriebener Gouda

Sahne

Champignons*

Möhren*

Schafsfetakäse

Aubergine* (GL)

Zucchini* (GL)

Rote Paprika* (GL)

Tomaten

Pfeffer

Knoblauch

Kräutersalz

Balsamico-Essig

Buchrezension: Mechler, Bärbel (2014): Von Psychopathen umgeben. Wie Sie sich erfolgreich gegen schwierige Menschen zur Wehr setzen. Mankau: Murnau.

Die Autorin arbeitet als spirituelle Heilerin in der Nähe von Heidelberg. Ihr Buch ist im Mankau-Verlag erschienen und ist für 9,95 Euro erhältlich.

Neben dem Vorwort und dem Schlusswort unterteilt in sieben Hauptkapitel: Der Psychopath in meinem Leben (11-20), So ticken Psychopathen (21-87), Psychopathen und die Liebe (89-110), Eltern mit der psychopathischen Struktur (111-121), Der Psychopath und ich (123-163), Wie man sich gegen Psychopathen wehrt (165-231), Vergebung (233-263).

Die Autorin verfolgt eine essenzialistische Charakterisierung von „Psychopathen“, bei der die Beschreibung von „Merkmalen“ von Charakterzügen und Kommunikationsweisen in verschiedenen Alltagsbereichen wie z.B. Liebe und Beziehung, Berufswelt, Politik etc. im Vordergrund steht. Da es sich nicht um wissenschaftlich-psychologische Literatur handelt ist hier nicht zu erwarten, dass die gesellschaftliche und kulturelle Konstruktion von „Psychopathie“ kritisch reflektiert wird. Daher ist die Welt im Buch klar eingeteilt in Psychopathen/Nichtpsychopathen. Allerdings wird zumindest am Rande implizit kritisiert dass eine ausbeuterische und profitorientierte Gesellschaft und Welt psychopathisches Verhalten eher fördert statt sanktioniert, so dass am Rande sozialkritische und kolonialismus-kritische Bezüge durchaus implizit hergestellt werden. Es wird verdeutlicht, dass die Täter_in/Opfer Rollen durchaus dynamisch statt starr zu verstehen sind, daher auch eine situative Veränderung der Kommunikations- und Handlungsweise zumindest für die Opfer möglich ist. Inwiefern Psychopathie therapierbar ist wird dagegen nicht beantwortet, allerdings wird immer wieder deutlich dass Psychopathen Selbstreflektion und Selbstzweifel stark meiden, daher auch kein Therapiewunsch zu erwarten ist.

Ein Fallbeispiel fand ich besonders interessant, bei dem die rationalisierende Abspaltung vom emotionalen Geschehen und der Empathiemangel sehr verdeutlicht wird, der sowohl bei Narzißmus als auch Psychopathie zu beobachten ist. Aber diese Unfähigkeit zur Empathie bzw. entfremdende Abspaltung von Emotionen finden wir durchaus auch bei schizoiden, depressiven als auch autistischen Personen, auch wenn sie eine andere Ursache haben. An dieser Stelle wäre daher auch nochmal eine diagnostische Abgrenzung zu anderen „Störungen“ interessant gewesen, da nicht jedes „gefühlskalte“ Verhalten m.E. nicht zwangsweise als „psychopathisch“ gedeutet werden muss.

„Norbert, Akademiker mit Doktortitel, berichtete also an einem herrlichen Sommertag bei einem Tässchen Kaffee im Garten ganz gelöst und entspannt vom Suizid seiner Frau. Sie war damals, wie er sagte, an einer Depression erkrankt und konnte das Leben nicht mehr ertragen. Solch traurige Ereignisse geschehen leider immer wieder und sind sehr tragisch. Nicht aber für diesen Menschen. Er erzählte, dass er es als sehr spannend empfunden habe, als sich sein Wohnzimmer wie bei einem Fernsehkrimi in einen Ort polizeilicher Ermittlungen und ärztlicher Wiederbelebungsmaßnahmen verwandelt habe. (…) Auf meine Frage, ob ihn das denn nicht völlig schockiert habe, entgegnete er: ‚Nein, im Gegenteil, ich fand das sogar aufregend.‘ Dass seine Frau unglaublich gelitten haben musste, bevor sie diese Verzweiflungstat begangen hatte, war für ihn emotional nicht im Geringsten nachvollziehbar oder bedeutungsvoll. Er empfand dem eigenen Bekunden nach keinen persönlichen Verlust durch den Tod seiner Frau. Er bevorzuge, wie er betonte, das Geschehen rein wissenschaftlich zu betrachten. Beobachtend, feststellend und fertig. Bei dieser Herangehensweise vermied er es, sich unter Verdacht zu stellen, an einer unmenschlichen Gefühlskälte zu leiden. Ja, er benutzte das Geschehen noch als willkommene Gelegenheit, sich ein weiteres Mal das Mäntelchen des reinen und unbestechlichen Denkers umzuhängen. (…) Norbert wird also nie erfahren, dass es sich bei seiner sogenannten wissenschaftlichen Herangehensweise um nichts anderes als eine grandiose Selbsttäuschung handelt. Aber das will er auch nicht, da sie genau den Zweck erfüllt, den sie soll, nämlich ihn allzeit souverän dastehen zu lassen. (Mechler 2014, 58-59)

Das Buch besticht durch sehr spannende und leser_innenfreundliche, konkrete Beispielkommunikationen aus dem Alltag und Ratschläge für einen schlagfertigen Umgang mit sogenannten „Psychopathen“. Dabei wird von der Autorin eine pragmatische Sichtweise verfolgt die auf „Schadensbegrenzung“ (185) im Umgang mit Psychopathen fokussiert. Das Ausmaß von ausnutzenden, unverschämten und demütigenden Handlungs- und Kommunikationsweisen wird detailliert beispielhaft mit konkreten Zitaten geschildert. Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen sich durch das Buch empowert fühlen und die Tipps hilfreich sind um mit schwierigen Personen umzugehen ohne dass man zu viel Schaden nimmt.

Interessant ist auch dass hier die Autorin auch Einblick gibt in eine Heilungssitzung mit einer Klientin, die zugestimmt hat das eine Passage veröffentlicht werden durfte (vgl. Mechler 2014, 250-259). Hierbei geht es um den verinnerlichten Glaubenssatz, dass sie denkt dass ihr Mann sie nicht liebt, weil sie sich selbst nicht als liebenswürdig empfindet.

Insgesamt wäre eventuell noch ein Kapitel zur Überschneidung/Abgrenzung von Narzißmus und Psychopathie interessant gewesen, da ich mich gefragt habe: Ab welchem Grad gilt eigentlich ein sich unter charmantem Verhalten verdecktes oder offenes ausnutzendes und tyrannisierendes Verhalten nicht mehr als narzißtisch, sondern als psychopathisch? Die Autorin stellt auch nicht das Existenzrecht von Psychopath_innem infrage, sondern legitimiert dieses durchaus ungewollt in ihren Ratschlägen, wenn sie z.B. den oder die Leser_in dazu anleitet, den Psychopathen gegenüber eine Dankbarkeit zu verbalisieren, dass durch die Herausforderung sich man als „Opfer“ quasi persönlich stark weiterentwickeln konnte nach dem Motto ‚was mich nicht umbringt macht mich stärker‘. Diese unbewusste Legitimation ist nicht ganz unproblematisch, auch wenn man sich dadurch Macht gegenüber einer_m Narzisst_in/Psychopathen verschaffen kann.

Die Autorin macht deutlich dass es wichtig sei sich gegen die Angriffe geschickt zu wehren und höflich aber bestimmt Grenzen aufzuzeigen. Eine interessante emotionale Strategie, die sie aufzeigt, ist z.B. dass z.B. man einen bzw. eine Psychopath_in eher wie ein Kind oder eine kranke Person behandeln solle und ein (pseudo-)“besorgter“ Tonfall hier zielführend sei. Diese Besorgnis um die psychische Grundverfassung des Psychopathen wird oftmals entmächtigend von Seiten der Psychopathen erlebt. Menschen mit antisozialen Persönlichkeitsanteilen fühlen sich gerade durch den Fokus auf ihre Verletzlichkeit in Ihrer Autorität beschnitten und herabgesetzt.

„Opfer“ von Psychopath_innen fühlen sich ohnmächtig und hilflos gegenüber dem grenzverletzendem Verhalten von „Psychopathen“, die durch ihre großspurige unverschämte Art immun wirken gegen Kritik. Gerade in beruflicher Hinsicht gibt es bei manchen Opfern von z.B. Mobbing die Tendenz dass sie statt zu kritisieren, die überzogenen unmenschlichen Erwartungshaltungen sogar so stark verinnerlichen, dass sie sich selbst Bemühungen gar noch verstärken sich selbst aufzuopfern anstatt die Erwartungshaltung zurückzuweisen. Die Autorin macht deutlich dass dieses weitreichende Folgen für die Gesundheit und Lebensqualität haben kann. Gerade den Opfern fällt es schwer auf unverschämte Forderungen nicht mit Schamgefühl, Selbstzweifel und Selbstoptimierung zu reagieren. Die Autorin veranschaulicht dass man die Psychopathen nur mit einer guten Reflektion und Kommunikation in der Situation entwappnen kann. Allerdings erscheint mir zum Teil das Erlernen einer adäquaten Umgangsweise nach Mechler auch zu beinhalten selbst sich psychopathische Kommunikationsmuster zu eigen zu machen wie z.B. das Vorführen der Verletzlichkeit, was man in der Regel ja als nicht-psychopathischer Mensch eigentlich nicht nötig hat zu machen. Zwar schreibt Mechler dass man nicht auf das Niveau der Psychopath_innen gehen solle, aber es bedarf schon eine Fähigkeit zur übergriffigen Grenzverletzung um die Bloßstellung von Psychopathen in die Wege zu leiten um diese in die Schranken zu weisen zum Schutze der Opfer:

„‚Ach, Herr Abel, kann ich Ihnen vielleicht helfen und mich als Dolmetscherin anbieten? Wissen Sie, Frau Bender ist von Beruf kaufmännische Angestellte und keine Psychiaterin, die aus Ihren unkontrollierten Wutausbrüchen Ihre eigentliche Botschaft herausdeuten könnte. Und es ist auch nicht ihre Pflicht. Sie wird nur für Bürotätigkeiten bezahlt. Also sagen Sie mir bitte einmal ganz ruhig und sachlich, was eigentlich der Kern Ihrer Mitteilung sein sollte, dann werde ich es gerne an sie weiterleiten. Über Ihr Verhalten, das Ihre Kollegialität aufs Gröbste verletzt hat, möchte ich mit Ihnen danach aber auch noch sprechen.‘ Herr Abel war wieder so perplex, dass er wie ein Kind vorgeführt und sein Verhalten im gleichen Atemzug mit einem Psychiater in Verbindung gebracht wurde, dass er voller Wut das Büro verließ, doch meine Kollegin in den darauffolgenden Wochen nicht mehr für seine Aufmerksamkeitsspielchen missbrauchte. Die Angst vor einer neuen Blamage war zu groß.“ (Mechler 2014, 2016)

Angenehm finde ich dass die Autorin ihre „spirituelle Sichtweise“ erst ganz zum Schluss im Kapitel „Vergebung“ einbringt, so dass der Rest des Buches weltanschaulich recht neutral gehalten ist. So bekomme ich als Leser_in den Eindruck ich kann hier mich entscheiden, ob ich das letzte „spirituelle“ Kapitel auch lesen möchte oder es lieber dabei belassen möchte.

Spannend erscheint mir nicht nur die Deutungen und Deutungsmacht der wissenschaftlichen Psychologie in Büchern zu verfolgen, sondern auch therapeutisch-pragmatische Ansätze zu verfolgen, die eher aus dem Umfeld von nicht-säkularen Akteur_innen stammen, die mit ihren Ansätzen u.a. auch behaupten eine gesellschaftliche Lücke zu füllen. Ich verfolge diese Ansätze nicht weil ich meine dass es therapeutische Ansätze einer Spiritualität bedarf, sondern um über den Tellerand normativer und legitimer therapeutischer Deutungsweisen zu schauen. Hierbei ist u.a. auf der einen Seite erfrischend, dass die Autorin nicht immer „wertneutral“ auftritt. Auf der anderen Seite können hier auch schnelle Schubladisierungen und Vorverurteilungen auf Seiten der lernenden Leser_innenschaft geschehen, die das Berücksichtigen von multiperspektivische Mehrdeutigkeiten und Ambivalenzen einer Situation vernachlässigt. Gerade bei diesen essenzialistisch-psychologischen Ansätzen ist die Gefahr groß dass der oder die Leser_in seine Umwelt möglicherweise sehr misstrauisch bis paranoid zu beäugen beginnt, wo dann die Mitmenschen schnell in Gefahr laufen als „Psychopathen“ abgestempelt zu werden. Diese Gefahr sehe ich schon im Titel gegeben wenn es heißt „Von Psychopathen umgeben“. Um diese Projektionsgefahr zu vermeiden wäre es vielleicht hier sinnvoll davon auszugehen dass jedem Menschen mehr oder weniger narzißtisch bis psychopathische Anteile auch eigen sind, anstatt davon auszugehen dass nur die „anderen“ Mitmenschen psychopathisch kommunizieren. Denn auch im Falle von dieser Art des aggressiven Narzißmus sagt man doch nicht zu Unrecht: Gerade diejenigen, die ihre narzißtischen Anteile komplett verleugnen, sind i.d.R. die größten Narzißt_innen.

Buchrezension: Bonelli, Raphael M. (2014): Perfektionismus. Wenn das Soll zum Muss wird. München: Pattloch.

Der österreichische Neurowissenschaftler, Psychiater (Sigmund Freud Privatuniversität Wien) und systemischer Psychotherapeut Bonelli hat 2014 ein psychologisches Buch zum Thema Perfektionismus herausgebracht. Er ist Leiter des „Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ in Wien und Faculty Member des „Center for Spirituality, Theology and Health“ an der Duke University (USA). 2013 gab er über das Internetportal kath.net an, dass er zwar nicht selbst Mitglied, aber sich freundschaftlich verbunden fühlt mit Menschen, die bei der umstrittenen Organisation Opus Dei sind, die u.a. für ihre Selbstgeißlungsriten bekannt sind.

Das Buch ist in drei Teilen untergliedert: Hinter der Maske (I), Die Macht der Maske (II) und Die Maske fallen lassen (III). Im ersten Teil wird zunächst beschrieben wie Perfektionisten ticken (Kapitel 1), was genau umstritten ist am Perfektionismusstreben (Kapitel 2), was dem Perfektionismus in der Psychodynamik zu grunde liegt (Kapitel 3). Schließlich wird erläutert dass der Perfektionismus ein ideales Wunschdenken beinhaltet, dass im Extremfall zum Doppelleben führen kann (Kapitel 4). Dann wird auf die psychologische Forschung eingegangen (Kapitel 5). Im zweiten Teil wird zunächst die Leistungsgesellschaft (Kapitel 6), der Schlankheits-, Gesundheits- (Kapitel 7) und Schönheitswahn (Kapitel 8) sowie Perfektionismus in Erziehung und Partnerschaft (Kapitel 9) beleuchtet. Im letzten dritten Teil geht der Autor auf die Psychotherapiemethodik ein, die bei Perfektionismus als sinnvoll erachtet wird: Nicht der Kopf, sondern an den Bauchgefühlen müsse gearbeitet werden (Kapitel 10). Daraufhin folgt seine Hauptthese dass Imperfektionstoleranz das therapeutische Ziel für die Behandlung sein solle. Im letzten Kapitel wird der Perfektionismus in therapeutischen Situationen (Kapitel 12) geschildert.

Das Buch ist anregend geschrieben. Vom Aufbau besticht das Buch durch die zahlreichen farblich hervorgehobenen therapeutischen Fallbeispiele, die das Buch besonders spannend, konkret und anschaulich machen. So bekommt die_der Leser_in zahlreiche psychotherapeutische und psychiatrische Primärerzählungen von Patient_innen beschrieben. Hier habe ich mich in ethischer Hinsicht gefragt, inwiefern die Patient_innen wissentlich eingewilligt haben, dass die sensiblen Zitate und Geschichten anonymisiert verwendet werden durften. Auch habe ich mich gefragt ob ein Aufnahmegerät verwendet wurde. Darüber gibt es leider keine Information im Buch.

Auf der Inhaltsebene fand ich besonderes interessant, dass dem Perfektionismus nicht eine reine „Verkopfung“ zugrunde gelegt wird, sondern dass laut zentraler These des Autors inbesondere recht irrationale „Bauchgefühle“ für den Perfektionismus verantwortlich sind. Zudem wird dem Perfektionismus auch eine egozentristische Haltung zugeschrieben, die eine ambivalente Selbstaufopferung sowie Burn-Out Gefährung als auch eine scheuklappenblick-gesteuerte Egozentrik (Ichhaftigkeit) beinhalten kann. Ähnlich wie im Narzißmus verhält sich auch der Perfektionist ambivalent im Spannungsfeld zwischen Idealisierung und Abwertung von Leistungen. Dabei können sich manche Perfektionist_innen rein introvertiert perfektionistisch verhalten, andere wiederum übertragen ihren Perfektionismus auch extrovertiert auf andere Personen. Ähnlich wie beim Narzissmus wird auch im Perfektionismus eine Tendenz zur Übergriffigkeit beschrieben, die aus der fehlenden Wahrnehmung von Grenzen resultiert (S. 235). Im Perfektionismus geht es schwerpunktmäßig um ichhafte Selbstunsicherheit und Ängstlichkeit um sich selbst und seine Fehlerhaftigkeit. Deswegen schlüpft der_die Perfektionist_in in eine Maske des Perfekten, um anderen Menschen zu gefallen. Der_die Narzißt_in dagegen fühlt sich maßlos anderen überlegen und geht dementsprechend immer von der ichhaften Fehlerlosigkeit aus. Des Weiteren werden u.a. Abwehrmechanismen, Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid beschrieben (S.243). Als therapeutisches Ziel sieht der Autor vor allem dass ein bzw. eine Perfektionist_in zur „innere[n] Ruhe als Folge der inneren Ordnung“ (S.287) kommen möge, welche im Gegensatz zur „Angespanntheit des Perfektionisten“ (S.287) stehe, die vor allem durch eine „ständige Unruhe mit ängstlicher Besorgtheit um sich selbst“ (S.287) charakterisiert wird. Somit fordert der Autor zur „Mäßigung“ (S.289) auf, die zur Ruhe und Gelassenheit führen soll, die bewirke dass gerade aufdringliche Dinge und Menschen den_die Perfektionist_in nicht mehr aus dem Gleichgewicht bringen (S.289). Die innere Ordnung würde dann schließlich zum inneren Frieden und zur inneren Freiheit beitragen, welche dem_der Perfektionist_in fehle. An dieser Stelle wird dann auch deutlich warum es um die Behandlung destruktiver Bauchgefühle und dem mangelnden Gefühl für Grenzen geht:

Ordnung bedeutet die Fähigkeit zu priorisieren, oft gegen die eigene Lust und die persönliche Laune – auch wenn es einem ‚gegen den Strich‘ geht. Der Perfektionist hingegen ist maßlos: Weil er sich über Leistung und Output definiert, kann er das Gebot der Stunde nicht erkennen. Ordnung bedeutet, Wichtiges von weniger Wichtigem trennen zu können, was wir vielleicht wollen. Bescheidenheit ist bei dieser Erkenntnis vonnöten, aber auch Zielstrebigkeit. (Bonelli 2014, 289)

Die hohen Selbstanforderung seien nicht das Problem, sonfern sie auf eine vernünftige Arbeitszeit beschränkt seien. So tendieren Perfektionist_innen dazu eine Arbeit, die für eine Stunde vorgesehen ist übergenau in drei Stunden zu erledigen. Daher seien sie nicht effektiv, aber würden durchaus richtige Dinge tun. Bonelli rät zur Imperfektionismustoleranz. Menschen seien nicht so viel wert, wie sie Wertschätzung und Anerkennung erhalten. Der Wert einer Person sei unabhängig von der Anerkennung. Indem die Maske fallen gelassen wird und der bzw. die Perfektionist_in sich in aller Fehlerhaftigkeit, Durchschnittlichkeit und Gewöhnlichkeit annimmt, kann diese Imperfektionismustoleranz gelingen (S.299). Hierbei wird dann an mehreren Stellen Bonellis Sympathie für den Katholizismus/ Konservativismus deutlich, wenn er beispielsweise die Traditionen von Jesuiten (S.299) beschreibt oder auf die sieben Todsünden verweist (S.301). Implizit wird immer wieder ein positiver Bezug zum katholischen Deutungsschema hergestellt, auch wenn Bonelli zum Schluss die Grenze zwischen, was Aufgabe von Psychologie und Religion ist, setzt. Verstört hat mich auch das Fallbeispiel zur „Karrierefrau“, hier kommt Bonellis traditionell-heterosexistisch-normatives Frauenbild implizit zum Vorschein. „Die Karrierefrau“ ist ein stereotypes Bild von Frauen, die beruflich erfolgreich ist. Bei Männern gibt es nicht den Begriff des „Karrieremannes“ als Negativfolie. Hier zeigt sich dass implizit Bonelli der Frau die Rolle von Hausfrau und Mutter zuschreibt, während die Perfektionistin sich innerlich diese „eigentliche Rolle“ nicht erlauben würde. Ähnliches schreibt er über das Heiraten. Die Perfektionist_in würde dermaßen hohe Ansprüche hegen, dass sie quasi das „Lebensziel Heiraten“ verpassen könnte, als wäre das eine Katastrophe. Hier zeigt sich dass das Buch dann doch eher an recht heteronormativen Beispielen orientiert und eher eine tendenziell nicht-feministische/antifeministische Psychologie vertreten wird, die relativ starre Frauen/Männerrollen propagiert. Auch der Hinweis auf das Anstreben einer „inneren Ordnung des Perfektionisten“ als Therapieziel zeigt eine Mangel zur Kritik an übertriebenen Selbstansprüchen sowohl auch an dem Gedanken einer „Ordnung“. Perfektionist_innen neigen z.T. eher zu einer übertriebenen Ordnung, die an dieser Stelle nicht hinterfragt wird. Daher erscheint mir der Begriff „innere Ordnung“ eher schwierig gerade für diejenigen, die zu durchorganisiert sind und eher etwas mehr „kreatives Chaos“, Auszeit und Abstand von gesellschaftlichen Erwartungen bräuchten. Bei Perfektionismus ist m.E. die Frage wie man „das Spielerische, Humorvolle, Kreative“ therapeutisch einsetzen kann eine wichtige Frage, die bei Bonelli unbeantwortet bleibt.

Erlebnissen und Gedanken Bedeutung geben: Tagebuch, Paartagebuch, Briefe, Briefhefte und Briefbuch

Tagebuch

Seit meinem 9.Lebensjahr bin ich passionierte_r Tagebuch-Schreiber_in. Das erste Tagebuch sogar in Geheimschrift. Kaum hatte ich das Schreiben in der Grundschule erlernt schrieb ich schon in einer Geheimschrift. Inzwischen bin ich beim 35.Tagebuch angekommen. Als ich 1999/2000 mit 16/17 Jahre ein High School Jahr in Virginia/USA verbracht habe habe ich in dieser Zeit vier Tagebücher in 10 Monaten geschrieben.

Briefe, Briefhefte, Chats und E-Mails

Ich habe nicht nur exzessiv Tagebuch geschrieben, sondern Briefe. Mein unerschöpfliches Interesse am Menschen und seinen Gedankengängen und Empfindungen treibte mich an nicht nur intensive Gespräche zu suchen, sondern auch den intensiven schriftlichen Austausch. Auch weil viele sich eher trauen im Schriftlichen über Tabu- und Intimthemen zu schreiben. Seit dem 6.Lebensjahr habe ich jede kindliche Urlaubsfreundschaft genutzt um neue Brieffreundinnen zu gewinnen. Ab dem Alter von 14/15 Jahren suchte ich gezielt Brieffreundschaften, die den gleichen Musikgeschmack teilten. Wir teilten in der Schule sogenannte „Friendshipbooks“, das waren kleine DIY-Adressbücher, die mit Dekorationen und Angaben zu Hobbies und Musikgeschmack versehen wurden. Man machte kein Friendship Book für sich, sondern immer für jemand anderes. Nach ein paar Monaten hatte man plötzlich ein volles „FB-Book“ zugesendet bekommen und konnte darin blättern und schauen ob dort neue interessante Brieffreundschaftsmöglichkeiten waren. Als ich mit 14 anfing Chatfreundschaften über die neue Technologie des Internets zu gewinnen, so begann ich mit Chats und Emails. Aber mit einer Chatfreundin aus Karlsruhe entwickelte es sich so dass wir auf das Medium Briefe wechselten. Weil wir beide das handschriftliche Schreiben einfach liebten. Unsere Brieffreundschaft wurde so exzessiv, dass wir dann am Höhepunkt 78seitige Briefe schrieben und dabei ganze Schulhefte vollschrieben. Hierbei ging es auch unter anderem um politische Gedanken aber auch selbsttherapeutische Dinge, denn sie erzählte mir auch z.B. von einer Traumatisierung mit Todesangst.

Briefbuch mit guten Freund_innen

Im Gynasium habe ich mit zwei besten Freundinnen begonnen sogenannte „Briefbücher“ zu schreiben. Wir sahen uns zwar jeden Tag in der Schule, aber tauschten unsere tiefsten Gedanken und Erlebnisse gerne in schriftlicher Form aus. Das hatte einfach was Geheimnisvolles. Diese Briefe waren 2-10 Seiten lang und dann gab man das Briefbuch wieder der Freundin, weil sie nun „dran“ war mit schreiben. Man war immer gespannt auf die Lebensgeschichten und Neuigkeiten. Dadurch konnte sich auch die Freundschaften intensivieren.

Paartagebuch

Seit 4 Monaten bin ich frisch verliebt in einer neuen Beziehung. Uns verbindet unter anderem auch die Leidenschaft zum Schreiben. Kürzlich haben wir (siehe Abbildung) ein Erlebnistagebuch für uns als Paar begonnen. Das war seine Idee. Da ich eh in letzten Jahren viel zu wenig Tagebuch geschrieben habe war ich sofort begeistert von der Idee. Es ist letztendlich ein hervorragende Möglichkeit bedeutsame Erlebnisse, Eindrücke, Ereignisse, Gefühle und Gedanken festzuhalten. Wer schreibt hat die Momente wesentlich besser Revue passieren lassen und genießen. Man spürt jeden Augenblick nach anstatt das Leben einfach nur an sich vorbeirauschen zu lassen. Und man kann ja auch eigene Erlebnisse und Gedankengänge nochmal lesen und sich dabei köstlich amüsieren. Es hat etwas „Gemütliches“ wie auch wenn man ein gutes Buch liest. Nur dass man selbst zur_m Protagonist_in des Buches wird. Selbst Autor_in wird. Schreiben bedeutet Wertschätzung und Stärkung der eigenen Reflektionsfähigkeit. Selbstbewusstsein und Selbstsucherheit entsteht über Reflexion der eigenen Bedürfnisse, Lebenswünsche, Träume etc. Darum denke ich hat das Tagebuch und Briefe schreiben ein hohes Potenzial, um das Leben gleichzeitig zu „entschleunigen“ und zu „beschleunigen“. Weil man mit den eigenen Gedanken nicht mehr alleine ist. Gerade in Entscheidungsmomenten ist das Tagebuch ein gutes Instrument der Entscheidungsfindung. Austausch ist wichtig. Glücksmomente teilen. Dem Partner bzw. der Partnerin kann man durch das Geschriebene das süßeste Lächeln auf das Gesicht zaubern. Aber auch in Streitsituationen könnte das Tagebuch eine gute Mittlerfunktion einnehmen. Denn es gibt immer auch Momente in denen man sich in einer Beziehung vielleicht einsam fühlt oder wo die Kommunikation schwierig(er) oder eingefahren wird. Oder wo man nachts schlaflos wach liegt.

Tagebuch etc. schreiben ist ähnlich wie gute Musik zu hören: Man hat mit dem Tagebuch immer den „beste_n Freund_in“ an seiner Seite. Das Tagebuch/die Musik kann immer für einen da sein. Man ist nie mehr einsam, sondern hat immer eine Begleitungsmöglichkeit. In Zeiten von Facebook, Whatsapp, Instagram, Twitter etc. ist die Schreiblingswelt schnelllebig geworden. Man tauscht sich eher ein paar Zeilen oder Sprachnachrichten und Bilder aus. Wobei insgesamt der schriftliche Alltagsverkehr sicher sich gesteigert hat. Dieses wird auch zunehmend als Digitalisierung des Lebens kritisiert. Ich finde dass der schriftliche, aber auch der virtuelle Austausch große Chancen hat erfüllende Beziehungen, Freundschaften und Bekanntschaften zu finden. Das Texten sollte Menschen nicht am Leben oder der mündlichen Kommunikation und Zugewandheit hindern, sondern diese befördern. Als Zuwendung, nicht als Abkehr von der Welt und den Menschen, hat das Schreiben ein hohes therapeutisches, aber auch politisches Potenzial. Wer schreibt, der bleibt. Menschen kommen aber auch in (gedankliche) Bewegung und ins zielorientierte Handeln. Menschen wissen ihre Mitmenschen zu schätzen und ist sich über die Verletztlichkeit der Menschen bewusst zu werden.

Linguine mit Spinat-Gorgonzola-Sahnesauce

● vegetarisch ●alles bio

Zutaten:

Linguine Pasta

Blattspinat

Möhren

Tomaten

gelbe Zwiebeln

Gorgonzola (von der Käsetheke)

Emmentaler Reibekäse

Parmigiano Reggiano (gerieben)

Olivenöl

Kräutersalz

Gute Laune Gewürzmischung

Pfeffer

Knoblauch

Zitronenfalter in der Nacht (2018)

©Foto: Sonnenuntergang an der Bremer Weser im Sommer 2018, EJ Tolksdorf.

 

Meine Augen brennen

Die anhaltende trockene Hitze bin ich nicht gewohnt

34-38 Grad über Wochen

Trotz Wüstentemperatur fühlt es sich an wie am Nordpol

Dank Klimaanlage

Das Klagen über das schlechte oder gute Wetter

Klarer Fall von „Wetterdemenz“ sagt eine Kundin

Menschen behauptet immer noch wir hätten keinen Sommer

Sie vergessen ihn immer wieder

Ob sonnig, kalt oder windig

Und schon klar, Klimawandel existiert nicht. Da muss ich laut lachen.

Irgendwie scheint dem Unzufriedenen jedes Wetter als „Schietwetter“

Denn das Beschweren über das Wetter

Ist zu einem wichtigen Ventil geworden für unsagbare Frustrationen

Dabei bedarf es nicht der Strandkulisse um einen romantischen Sonnenuntergang zu genießen

Das Nahe kann gewertschätzt werden als Naherholungsgebiete, die das kostenspielige Fernweh besänftigen können, das ich mir nicht leisten kann

Oh Unwetter! Tiefschwarze Wolken verdichten sich am Himmel

Hinter Ihnen erkämpft die Sonne sich ihre Hoheit versteckt zurück

Eine unheimliche smaragdfarbende Verschmelzung ist ihr Ergebnis

Die zarten Bäume biegen sich im Sturm

Am Deich ist Hochwasser angesagt

Die Möwen kreischen im Wind

Tränen im Sommer

Erfordern Nachtspaziergänge

Der Zitronenfalter begleitet mich auf der Schulter und fliegt davon

„Hoffnung“ sagst du immer wieder

Und meine melancholischen und ängstlichen Gedanken an die Zukunft, die “ (weibliche) Altersarmut“ verheißen verschwinden sanft.

Plötzlich bin ich fröhlich, denn ich bin so glücklich mit dir an meiner Seite.

Mögen die Umstände komplexer und schwieriger werden, so möchte ich nicht aufgeben optimistisch zu denken.

Basmatireis mit Romaneso etc.

●vegetarisch ●übrrwiegend bio (*) ●aus geretteten Lebensmittel (GL)

Zutaten:

Basmatireis*

Romanesco* (GL)

Paprika

Tomate* (GL)

Champignons* (GL)

Frühlingszwiebeln* (GL)

Zwiebeln* (GL)

Fetakäse*

Tikka Massala Paste

Pfeffer

Kräutersalz*