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Viel Spass beim Stöbern und viel Inspiration zur Kreativität wünscht Dir

EJ

© January 2016 E.J. Tolksdorf

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Foto: EJ Tolksdorf, StreetArt im Viertel in Bremen

Werbeanzeigen

Salat mit Jackfruit

●Bio (*)

● vegetarisch

Zutaten:

Jackfruit im Glas* (vegane Alternative zu Fleisch, Tofu und Seitan) angebraten und gewürzt mit Kräutersalz, Knoblauch und Sojasauce

Eisbergsalat

Paprika

Tomaten*

Möhren

Grüne Oliven

Gewürzgurken

Mozzarella

Kampf gegen Stillstand und Selbstsabortage (2019)

©Foto: EJ Tolksdorf, Regenwolken am Strand von Norderney im April 2019.

©Foto: EJ Tolksdorf, Schiffswrack am Ostende von Norderney im April 2019.

Lasse sie nicht mehr zu

Ablenkungen

Mit Social Media

Mit emotionalen Konflikten

Mit Zukunfts- und Verlustängsten

Mit gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Frustrationen

Keine Selbstsabortage und Ziellosigkeit mehr

Die Power und den Fokus brauche ich für mich und für uns

Ich lasse alles Wertvolle und Bedeutungsvolle wachsen und gedeihen, was mir gut tut

Der Fokus auf das Wesentliche und Positive

Um Kraft zu tanken

Und dem Negativen ein Stopp aufzuzeigen

Dem Grenzenlosen Grenzen zu zeigen

Denn das Leben ist endlich, dadurch kostbar und wertvoll

Sehr dankbar bin ich für die positiven Veränderungen und Entwicklungen der letzten Jahre

Ich habe mir einiges bewiesen, dass ich es kann, wenn ich gute Bedingungen schaffe und wirklich will

Nun muss ich alle Power noch weiter fokussieren und Ablenkungsquellen vermeiden

Ich habe schon viel geschafft

Nun geht es darum Dranzubleiben

Denn das Leben ist wie eine lange 28km Wanderung zum Ostende zum Schiffswrack von Norderney

Mit begrenzten Ressourcen, Durststrecken und kaum Möglichkeit auf die Toilette zu gehen

Um ein höheres Ziel zu erreichen

Muss man weiterkämpfen um sein Glück, auch wenn manche Stimme eher nach einem schnellem und bequemen Aufgeben ruft

Doch das Ankommen am Ziel fühlt sich dann paradiesisch an nach all den Strapatzen

Und wir finden heraus, dass der vielseitige unbequeme Weg auf Umwegen aber das Ziel war

Um mich von meiner Vergangenheit abzulösen muss ich nochmal erneut aufräumen

Sowohl im Außen als auch im Innen

Aufgeräumt zu sein

Aber dennoch mit kreativem Chaos, dass einen tagtäglich inspiriert

Mit Umsicht, Wohlwollen und Geduld

Mit mir selbst und Anderen

Die dunklen Wolken des Stillstands und der Selbstsabortage ziehen vorüber

Die mir zugeschriebenen Rollen des schwarzen Schafes sowie des goldenen Kindes verweigere ich, da ich weder perfekt oder großartig bin noch ein schlechter Mensch

Ich bin einfach menschlich

Neue Sonnenenergie und frische reine Luft für die Gegenwart und Zukunft verlocken zum tiefen Durchatmen und Innehalten

Nur Liebe für dich und mich.

Spinat-Mozzarella Pizza

●vegetarisch

● Bio (*)

●mit geretteten Lebensmitteln (GL)

Zutaten:

Fertiger Pizzateig zum Ausrollen

Tomatensauce

Rote Zwiebeln

Grüne Paprika* (GL)

Tomaten*

Mozzarella

Blattspinat (Tiefkühl)

Geriebener Gouda

Rezension: Psychologie Heute Compact: Schwierige Menschen. Von Nervensäge bis Narzisst. Wie wir sie erkennen und wie der Alltag mit ihnen gelingt. Heft 56 (2019). Weinheim: Beltz.

Diesmal stelle ich zur Abwechslung mal kein Buch, sondern eine Ausgabe der Zeitschrift Psychologie Heute Compact vor. Diese hat den Anspruch psychologisch relevante Erkenntnisse allgemeinverständlich und thematisch orientiert für alle zu vermitteln.

Die Zeitschrift ist in drei Abschnitten eingeteilt und enthält insgesamt 20 Artikel: Nach dem Vorwort (3) steigt die Zeitschrift ein mit einem einführenden Artikel von Jochen Metzger zu „Schwierige Menschen – Und wie man mit Ihnen umgeht“ (7-11). Der Artikel orientiert sich dabei an Inhalte aus dem Buch von Robert I. Sutton (2018) „Überleben unter Arschlöchern“. Im ersten Abschnitt geht es um „Von ganz normalen Störenfrieden. Umgeben von Quälgeistern“ (14-37). Hierbei geht es um die störenden Eigenheiten der Menschen im Alltag. Hierunter fallen sieben Artikel: „Die Liebestöter“ (14-17) von Axel Wolf behandelt das Thema des Umgangs mit schwierigen Menschen und Konfliktthemen in (Liebes-)Beziehungen. Hierbei fließen Inhalte von John M. Gottman (2014) „Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe“ ein. „Die Nervensägen“ (18-19) von Annette Schäfer geht auf Verhaltensweisen ein, die als nervtötend gelten. „Die Zyniker“ (20-23) von Sven Rohde geht auf misstrauisch-zynische Menschentypen ein. Dabei wird auf einen Fachzeitschriftenartikel von Olga Stavrova und Daniel Ehlebracht (2016) verwiesen. Der Artikel „Die Jammerlappen“ (24-25) von Martin Hecht setzt sich mit dem Sinn und Unsinn des Dauerjammerns auseinander. Sven Rhode thematisiert in seinem Artikel „Die Fahrigen“ (27-30) Verhaltensweisen von Menschen mit ADHS, dessen Umfeld oft unter dem inneren und äußeren Chaos zu leiden hat. Dieser empfielt schließlich das Buch von Nina Baer und Peter Kirsch (2012) „Alles nach Plan. ADHS im Erwachsenenalter meistern“. Die Diplompsychologin Katrin Streich schreibt in „Die Querulanten“ (32-35) schließlich über besonders streitlustige Menschen, die nicht selten ihre Konflikte juristisch verfolgen. Der erste Abschnitt wird abgeschlossen mit einem Artikel zu „Praxis: Richtig kritisieren“ (36-37), in dem Laura Seebauer und Gitta Jacob zehn bündige Tipps zum konstruktiven Kritisieren geben. Der Text stammt aus ihrem eigenen Buch von 2015 mit dem Titel „Schluss mit meiner Wenigkeit! Selbstvertrauen erlanden und selbstsicher handeln“. Der zweite Abschnitt behandelt das Thema „Warum bist du so verletzend?“ (40-63), bei dem es um Menschen mit Borderline und Narzißmus geht, die durch eine instabile Persönlichkeit, Launenhaftigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen, Selbstüberschätzung und Größenwahn sowie verletzendem Jähzorn auffallen. Paul T. Mason und Randi Kreger gehen bei ihrem Auszug aus ihrem Buch mit dem Titel „Im Dampfkochtopf der Gefühle“ (40-45) auf das Zusammenleben mit Menschen mit Borderline ein, das einer Achterbahnfahrt der Gefühle bedeutet. Das Buch wurde veröffentlicht in 2019 mit dem Titel „Schluss mit dem Eiertanz. Für Angehörige von Menschen mit Borderline“. Ein kurzer Artikel von Anne-EV Ustorf fasst prägnant die wichtigsten Therapieverfahren zur Behandlung der Borderlinestörung zusammen (45). Der Aufsatz zu „Der Narzisst in uns“ (46-51) stellt den Persönlichkeitstypus als ein Spektrum des Narzissmus vor. Der Artikel endet mit einem von Craig Malkin entwickelten Narzissmus-Test mit 30 Fragestellungen, bei dem der bzw. die Leser_in herausfinden kann wie narzißtisch er bzw. sie ist oder ob man unter sogenannten „Narzissmusdefiziten“ leidet (51). Dieser Test stammt aus dem Buch von 2017 „Der Narzissten-Test“. Ein weiterer Artikel von dem Professor für klinische Psychologie Udo Rauchfleisch behandelt das narzißtische Thema „Bin ich nicht großartig?“. Hierbei geht es um Verhaltensmuster von und Umgangsweisen mit Partner_innen, Kolleg_innen und Freund_innen (54-56). Rauchfleisch hat zu diesem Thema auch das Buch „Narzissten sind auch nur Menschen“ im Jahre 2017 publiziert. Der dritte Artikel des Abschnitts „Im Schatten der Eltern“ (58-61) behandelt den Fall der Kinder vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als Beispiel für Kinder narzisstischer Eltern. Hierbei wird deutlich dass die Kinder als „Erfüllungsgehilfen der eigenen Wünsche“, also als „Erweiterung des Selbst“ der Eltern fungieren und nicht als eigenständige Menschen wahrgenommen werden. Dieses führe zu Autonomieentwicklungs-, emotionalen Missbrauchs oder Narzißmusproblemen bei den „unsichtbar“ gemachten Kindern. Sie haben Schwierigkeiten sich von der Wahrnehmung ihrer Eltern abzulösen. Resultat ist, dass Kinder von narzisstischen Eltern oft besonders empathisch agieren und nicht selten Psychotherapeut_innen werden (diese Erkenntnis kann man, was hier nicht erwähnt wird, im Übrigen auch bei Alice Miller „Das Drama des begabten Kindes“ bereits lesen). Zum Weiterlesen wird das Buch von Karyl McBride (2017) „Werde ich jemals genug sein? Heilung für Töchter narzisstischer Mütter“ empfohlen. Der zweite Abschnitt endet mit einem zweiten Praxis-Artikel: „Die Wut entschärfen“ (62-63), wo der Redakteur Thomas Saum-Aldehoff auf vier Auslöser von Wut aufmerksam macht. Als weiterführende Lektüre zum Thema Wut wird das Buch von Judith P. Siegel „Stop overreacting. Effective strategies for calming your emotions“ von 2010 empfohlen. Der dritte Abschnitt behandeltden Themenbereich „Kalkül ohne Gefühl“ (66-89). Hierbei geht es um Empathie- und Bindungsdefizite sowie kalkulierende und manipulative Verhaltensweisen von Psychopathen und „Stippenziehern“. In dem einführenden Artikel behandelt Johannes Künzel in „Talent zur Rücksichtslosigkeit“ (66-69) die wesentlichen psychopathischen Züge. Zur weiteren Lektüre wird auf das Buch (2014) „Psychopathen. Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann“ verwiesen. Hierbei wird deutlich dass es nicht nur ein problematisch-gefährliches, sondern auch ein besonders kreativ-innovatives Potenzial gibt, dass erfolgreiche psychopathische Menschen der Gesellschaft erbringen können. Der Psychoanalytiker und Psychologieprofessor Peter Fonagy erörtert in „Ein bisschen Psychopath steckt in uns allen“ (70-71) den wesentlichen Unterschied zwischen Hineinversetzten in andere und Mitfühlen mit Menschen. Darauf folgt in „Mein Leben als Psychopathin“ ein anonymes Interview, dass Katie Heaney mit einer diagnostizierten Psychopathin geführt hat, die zwar kein Mitgefühl empfinden kann aber trotzdem versucht kein schlechter Mensch zu sein und ein möglichst normales unauffälliges Leben angestrebt hat. Dieses erinnert auch etwas an Beschreibungen von Asperger-Autist_innen, die aufgrund von neurologischen Gründen weder Empathie noch Mitgefühl empfinden können, aber sich trotzdem bemühen können gute Menschen zu werden. Die hier vorgestellte Psychopathin empfindet interessanterweise Psychopathie nicht als Vorteil, weil sie eine gewisse Gefühlsintensität im positiven wie negativen Sinne nicht erleben kann und sich alles rational erschließen muss, auch Liebe. Während manche sich aufgrund ihrer intensiv-impulsiven oder angstgesteuerten Gefühlswelt vielleicht wünschten mehr gefühlsarme angstfreie „roboterhafte“ Züge zu haben und diese auch bewundern, so empfindet diese gefühlarme Person es als nur nachteilig. Wenn man Angst und Mitgefühl nur von anderen kennt, so kann man schnell in bedrohliche Situationen geraten oder als Partner_in, Freund_in oder Familienmitglied abgelehnt werden aufgrund der „Gefühlskälte“. Interessanterweise wird die antisoziale Persönlichkeit nicht mit Psychopathie gleichgesetzt, sondern nochmal zwischen gewaltsamen und eher introvertierten Formen unterschieden. Thomas Saum-Aldehoff beschreibt in „Durchtriebene Verführer“ (76-79) den machiavellisten Persönlichkeitstyp, der kühl, berechnend, heuchlerisch-täuschend und manipulierend Menschen für seine Ziele und Zwecke benutzt. Im Artikel „Der dunkle Kern“ (79) orientiert an Morten Moshagen werden zentrale Eigenschaften nochmal in einer kurzen Übersicht ausdifferenziert, die als gemeinsamer Nenner von menschlicher Niedertracht betrachtet werden: Egoismus, Machiavellismus, Moralische Abkoppelung, Narzissmus, Anspruchsdenken, Psychopathie, Sadismus, Geltungsdrang und Gehässigkeit. Boris Hänssler behandelt im fünfte Artikel des Abschnitts mit dem Titel „Der Scharlatan von nebenan“ (80-83) die Strategien der Hochstapler und wie man sich durch das Wahrnehmen von Warnsignalen davor schützen kann, nicht zu leichtgläubig zu sein. Hierbei wird das Buch von Jens Hoffmann (2015) „Menschen entschlüsseln“ erwähnt. Darauf folgt ein ausführlicher Artikel zum Thema „Wie wir uns vor Manipulation schützen“ (84-87) von Anne Otto. Hierbei geht es eher um die Alltagsbeeinflussungen aus dem Nahumfeld der Familie und des Arbeitskollegium und welche Abwehrstrategien man einsetzen kann, um sich nicht einwickeln zu lassen. Der Abschnitt endet mit einem weiteren dritten Praxis-Tipp „Das Spiel durchschauen“ (88-89), bei dem auf zwei Seiten vier Interaktionsspiele aus dem Buch (2014) zu Manipulation und Selbsttäuschung von Rainer Sachse vorgestellt werden. Nach dem dritten Abschnitt werden unter „Medien“ noch kurze Buchvorstellungen und Webseitentipps auf fünf Seiten geboten. Die Zeitschrift endet mit einem einem Cartoon und Werbungsanzeigen.

Die Zeitschrift war für mich eine richtig gute Anregung, weil wesentliche Ansätze von aktuellen psychologischen Büchern kompakt und kompetent vorgestellt werden und hier auch kurze alltagsverständliche Buchbesprechungen zu finden sind. Gerade diese thematisch komprimierte Zusammenfassung von verschiedenen Ansätzen finde ich sehr sinnvoll. Auch wenn ich jetzt bereits mehrere Bücher zum Thema „Schwierige Menschen“ gelesen habe, so fand ich die Zeitschrift eine gute Ergänzungslektüre für einen guten Überblick. Natürlich enthält die Zeitschrift auch nur eine Auswahl an Persönlichkeitsstilen, andere werden weggelassen. Interessant ist auch zu sehen wie viele Seiten für welchen Persönlichkeitstypus verwendet worden ist, um zu sehen welche Problematiken offensichtlich gesellschaftlich-medientechnisch am meisten relevant oder interessant erscheinen. Beeindruckt haben mich die kompetenten und wirklich differenzierten Beiträge, die nicht einfach schwierige Menschen labeln und abstempeln, sondern auch in ihren Eigenarten wertschätzen und einen konstruktiven Umgang anregen. So war mir zum Beispiel das Kreativitätspotenzial von Psychopathen völlig neu, hatte ich bisher nur über ihre Defizite und Abscheulichkeiten im Umgang gelesen. Zudem ist es auch erfrischend zu lesen, dass diese Psychopathin ziemlich bemüht ist keinen Schaden anzurichten aufgrund ihrem mangelnden Mitgefühl. Gleichzeitig gibt sie auch den Einblick darin dass sie ohne Masken in der sozialen Interaktion nicht zurecht käme, weil sie so anders ticke. Eindrücklich ist dass sie es trotzdem schafft von ihrem Nahumfeld nicht nur als defizitär, sondern liebenswert gehalten zu werden.

Das Thema „Schwierige Menschen“ hatte mich bereits in mindestens zwei anderen Buchrezensionen beschäftigt. Man könnte meinen, dass man durch eine Zeitschrift da dann vielleicht nicht mehr viel Erkenntnisgewinn erhält. Aber ich war auf den ersten Blick angenehm vom Aufbau und den Inhalten der 98seitigen Zeitschrift positiv überrascht und kann sie uneingeschränkt weiterempfehlen, da ich alle Artikel mit großem Interesse genau gelesen habe und die Thematik ansprechend und anregend dargestellt wird. Insgesamt sind Zeitschriften in den letzten Jahren recht teuer geworden, diese Ausgabe ist für 8,50 Euro in den Zeitschriftenläden erhältlich. Daher überlege ich mir sehr gut ob ich mein Geld in diese Zeitschrift oder nicht doch lieber in ein Buch investiere. Doch wie ich in manch anderer Rezensionen festgestellt habe können manche Bücher sogar ziemlich oberflächlich und undifferenziert sein. Meinen Zeitschriftenkauf habe ich auf keinen Fall bereut, gerade wenn ich bedenke dass ich auf fast 100 DinA4-Seiten ein kompaktes und aktuelles alltagsverständlich aufbereitetes psychologisches Wissen geboten bekomme, so werde ich wohl doch demnächst öfter mal mein Geld wieder in eine gute Zeitschrift investieren oder sie in der Stadtbibliothek lesen.

Karameliger Gummibärchenkuchen

●vegetarisch

●Bio (*)

Habe ein Rezept von Chefkoch.de ausprobiert zum Gummibärchenkuchen.

https://www.chefkoch.de/rezepte/396841128465262/Gummibaerchenkuchen.html

Leicht variert ohne Zitronensaft, statt Puderzucker habe ich Kokosblütenzucker verwendet, dadurch bekam der Kuchen eine Karamelnote. Leider zu viel Zuckerguss, daher sind Kekse aufgeweicht. Leider ist die Sahneschicht mit der Puddingschicht zerschmolzen. Ich empfehle statt 200g Puderzucker 100-150g zu nehmen (sifft sonst) und beim Backen 170Grad statt 200 Grad Temperatur zu verwenden. Vielleicht war es unklug keine Blechform sondern eine Rundform zu nehmen.

Ist aber sehr lecker karamelig, wobei die Gummibärchen zum Karamelgeschmack nicht so passen 😅. Vom Zuckergehalt kann man auch was weglassen, schmeckt so wie eine arabischer Dessert weil recht durchtränkt :).

Buchrezension: Strelecky, John (2016 [2003]): Das Café am Rande der Welt. Eine Erzählung über den Sinn des Lebens. München: dtv.

John Strelecky ist ein US-amerikanischer Bestsellerautor, der 1969 geboren wurde und bekannt für seine Bücher zu „The Big Five for Life“ wurde. Diese bilden auch die Seminargrundlage zur Lebens- und Unternehmensführungsberatung von Strelecky. Er lebt in Orlando, Florida. Nach 20jähriger Tätigkeit in der Wirtschaft, begab er sich mit seiner Ehefrau auf Weltreise. Diese Erfahrungen fließen in diesem hier rezensierten Buch ein. Er gründete nach Erfolg seines Buches das „The Why Café Institute“ wo er Seminare, Workshops und Vorträge veranstaltet.

Auf 127 Seiten wird seine „Erzählung über den Sinn des Lebens“ (Untertitel) dargelegt. Das kleine Buch reiht sich ein in die zahlreichen „Roadtrip“ Bücher und Filme, die von Sinnfindung und Selbstverwirklichung handeln. Die Geschichte dreht sich um ein abgelegenes „Café der Fragen“, wo ein Manager „strandet“ als er sich auf dem Weg in den Urlaub mit dem Auto verfährt. In diesem Café verbringt er mehr Zeit als geplant, er bleibt eine ganze Nacht bis zum Morgen. Diese Nacht hat es in sich, denn sie soll sein Leben und seine Sicht auf sich selbst und das Leben verändern. Auf der Speisekarte werden drei bedeutsame Lebenssinnfindungsfragen gestellt, die etwas an die Mitgliedergewinnung protestantischer Organisationen in den USA erinnern: „Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?“ (24). Zudem wird der Kundschaft angeraten sich mit der Bedienung darüber zu unterhalten. Zunächst beobachtet der Geschäftsmann aus der Werbebranche das Treiben und die Menschen in dem ungewöhnlichen Café eher aus der Distanz bevor er sich wirklich auf dieses Spiel einlässt. Eigentlich ging es ihm nur um einen Snack, aber nun findet er sich in tiefgreifenden Gesprächen mit dem Personal und Kund_innen wieder, die einige Anekdoten und Metaphern erzählen. Anstatt Antworten für sich selbst zu finden stellt der Protagonist ganz viele Rückfragen. Wir erfahren leider nicht wie er sein Leben nach der Begegnung im Café verändert. Zentrale These des Buches ist, dass das Lebensglück und die Lebenserfüllung davon abhängt seine Lebensbestimmung (Zweck der Existenz = ZDE) herauszufinden, um nur noch das zu machen was man wirklich will und kann (47-49). Menschen, die ihren ZDE nicht kennen, füllen ihr Leben aus mit Dingen, die sie meistens eher als mühsam und belastend empfinden und die ihnen nicht helfen gemäß ihres ZDE zu leben (56). Eine Erzählung über eine Beobachtung einer Meeresschildkröte bei Hawaii führt dabei zur zentralen Erkenntnisse, dass es einfacher ist wenn man sich mit Bewegungen an die Wellen anpasst anstatt dagegen anzupaddeln (55). Daher solle man sich gut und bewusst überlegen im Leben für was man eigentlich Zeit, Energie und Aufmerksamkeit aufwendet (58). Je mehr man für Nicht-ZDE-Beschäftigungen Zeit/Energie aufwendet desto weniger Zeit bleibt für dem ZDE (59). Das zeigen die Figuren im Buch anhand der Zeitverschwendung auf, die man für das Öffnen Lesen von Werbepost im Jahr verschwendet gemessen an der Lebenserwartungszeit (60). Desweitern wird suggeriert, dass eigentlich nur diejenigen ihre Energie wieder aufladen müssen und Urlaub und Erholung, die sich zu viel mit Dingen beschäftigen, die sie gar nicht mögen (63f.). Während diese zwei Vergleiche den Aspekt der Zeitverschwendung und Effizienz erwähnen so finde ich das Beispiel des Fischers am eindrücklichsten: der jeden morgen frühstückt mit Frau und Kindern, die Kinder zur Schule bringt, zum Fischen rausfährt, seine Frau malt, Fisch für die Familienmahlzeit mitbringt, einen Strandspaziergang macht während die Kinder im Meer baden (63 f.) und das jeden Tag machen kann. Er fängt nur so viel wie er braucht, den Rest gibt er an das Meer zurück (64). Er verkauft nicht Fische um maximales Geld zu verdienen um dann sich Materielles leisten zu können oder zu expandieren und ein komplexes internationales Geschäft aufzubauen, um irgendwann im Ruhestand das zu machen was er will (64 f). Der Fischer argumentiert, dass er jetzt bereits das macht was er will jeden Tag und er nicht darauf hinarbeiten muss (65). Darauf folgt die Erkenntnis Dinge lieber sofort zu tun, die einem Spass machen, anstatt sie in die Zukunft zu verlagern (70). Angst vor dem Tod hätten nur diejenigen, die zu wenig nach ihrem ZDE leben oder es zu sehr in die Zukunft verlagern (81). Dann werden auch Bedenken besprochen, was ist wenn man mit ZDE keinen Job findet und sich nicht ernähren kann oder es lächerlich wirkt weil man sie nicht gut könne (86). Wenn man dem ZDE folgt dann würde eine Leidenschaft und Begeisterung entstehen, die in jedem Fall zum Erfolg führe (86 f.). Dem gegenüber steht das Leben von Menschen die zwar Geld haben aber unglücklich sind, weil sie kaum Zeit und Energie für den ZDE haben. Daher versuchen sie sich das Lebensglück zu erkaufen statt es zu finden (89). Zudem würden sich unerwartete glückliche Schein-Zufälle einstellen für Menschen, die nach dem ZDE leben (96), weil ihre Begeisterung und Leidenschaft ansteckend ist (99). Am Ende wird deutlich dass die Menschen ihr Leben und jede Kleinigkeit, die Glück verheißt, genießen sollten und wenn es nur um einen unglaublich schmackhaften Rhababerkuchen geht (101).

Warum leben nicht alle nach dem ZDE? Weil Menschen es nicht gelernt haben, oder sie durch ihr Umfeld geprägt wurden keine Erlaubnis zu haben den ZDE zu erfüllen (103). Jeder sei selbst in Kontrolle seines Lebens. Viele Menschen würden ihre Macht verlieren wenn Menschen nach ihrem ZDE leben würden (104). Wer oder was Einfluss auf das eigene Lenen hat könne und solle man selbst bestimmen (107 f.)

Ergreifen Sie die Initiative und wählen Sie Ihren Weg selbst, sonst tun andere es für Sie. (Strelecky 2016, 108)

Dabei gebe es unterschiedliche Methoden, wie man den ZDE herausfinden könnte z.B. über Musik, Meditation, Gedanken, Naturerfahrungen, Bücher, Unterhaltungen, Experimentieren mit Erfahrungen und Reaktionen darauf beobachtet etc. (113, 115).

Das Buch kann man sehr gut in einem Tag durchlesen, es eignet sich als Reise- und Sinnfindungslektüre. Es ist in leichter, verständlicher Sprache geschrieben. Interessant ist dass einerseits kapitalistische Zweckerfüllungen (Profitmaximierung, Anhäufung materieller Güter, bezahlte Arbeit als einziger Lebenszweck etc.) radikal in Frage gestellt werden. Gleichzeitig wird aber auch deutlich das der Autor nicht ganz auf seinem ökonomistischen Denken um Effizienz etc. rauskommt, was man an der Lebenszeitverschwendungs/-berechnungsgeschichte bemerkt. Was ich schade finde ist dass das Lebensglück lediglich darauf beschränkt wird seine Berufung im Sinne von einer sinnvollen Beschäftigung zu finden. Wobei indirekt auch deutlich wird dass es um Lebensgenuss geht und darum auch geht Zeit mit den richtigen Menschen und Umfeld zu verbringen.

Gerade Debatten um das Bedingungslose Grundeinkommen etc. verfolgen ähnliche Ansätze, dass man das gesellschaftliche Potenzial steigern kann indem wirklich jede Person die materiellen Grundbedingungen erhält um frei zu entscheiden, wie man seine Lebenszeit verbringen möchte, in der Hoffnung dass dadurch die Gesellschaft sinnerfüllter und aktiver wird.

Allerdings handelt es sich wieder mal um einen wohlhabenden männlichen weißen Autor und Protagonisten, der sehr viel Mittel hat sich die Freiheit der Selbstverwirklichung zu gönnen. Ein Manager verklärt hier auch im romantisierenden Sinne die harte Arbeit „einfacher Menschen“ wie die des Fischers, um nach Ausweg aus seiner sinnentleerten und entgrenzten Arbeit zu kommen. Dabei kommt es so vor als müsse der Fischer keine Miete, kein Strom, Wasser etc bezahlen und könnte nur von Luft und Liebe bzw. ein paar Fischen leben. Das ist einfach realitätsfern, wenn man sieht dass heutzutage bei gesteigerten Mieten Menschen sogar zwei harte Jobs annehmen können um zu überleben, also weder Geld noch Freizeit haben. Und nein, wir sind eben nicht freie Menschen. Wenn mein ZDE wäre in New York leben zu wollen, dann könnte ich dennoch nicht die durchschnittlichen 4270 Dollar für eine 2 Zimmer Wohnung aufbringen mit einer leidenschaftlichen Tätigkeit, die ich von Herzen tue. Menschen können nicht frei wählen wo sie leben und arbeiten, es gibt genug kapitalistisch bedingte Zugangsschwierigkeiten, so dass 90 Prozent der Menschen nicht viel von der Welt sehen werden und nicht sehr mobil sein können. Auch können viele eben nicht ihren Traumjob machen wie z.B. Psychoanalytiker_in werden, weil sie sich das teure Studium und die 60.000 Euro für die Psychotherspeut_innen-Ausbildung nicht leisten könnten. Daher kann es durchaus sehr deprimierend sein sein ZDE herausgefunden zu haben, aber zu merken, dass manche sich zu Tode arbeiten müsste um ihn zu erreichen während andere Reiche sich einfach ihre Jobs aussuchen können, weil sie über das Kapital einfach verfügen, weil ihre Familie es für sie angehäuft und investiert hat.

Als Person, die selbst immer nur das gemacht hat was ich möchte, kann ich sagen dass man zwar mit Leidenschaft sehr erfolgreich sein kann, aber es auch eine verausgabende Burnout Gefahr ist wenn man mit hoher Leidenschaft und Begeisterung seinen Job und seine Hobbies verfolgt. Daher widerspreche ich dem Autor vehement: Auch (oder gerade!) bei einer leidenschaftlichen Beschäftigung brauch man Distanzierungs- und Erholungsphasen, damit man langfristig Spass behält. Zudem muss man sich auch manchmal nicht nur von einer anstrengenden Beschäftigung, sondern auch von anstrengenden Menschen erholen. Selbst wenn man seinen Job liebt braucht und dadurch auch viel Energie zieht braucht man trotzdem Erholung, ansonsten gerät man meines Erachtens in einen manischen Machtbarkeitswahn. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Manchmal ist es gut eben unproduktiv Zeit zu verschwenden um einfach „faul“ und zwecklos da zu sein als Lebewesen.

Und als Geisteswissenschsftler_in (Studienabschluss mit Auszeichnung) weiss ich dass man zwar mit Leidenschaft sehr erfolgreich sein kann, aber trotzdem existenzielle Ängste und Geldsorgen haben muss, weil die Gesellschaft die Tätigkeit geringer einschätzt und vergütet bzw keine unbefristeten Verträge vorsieht oder man die Stellen bundesweit an einer Hand abzählen kann. Hier zu behaupten es liege nur in der Kontrolle Einzelner sein Glück zu schmieden halte ich für eine verklärte Ignoranz gesellschaftlich-kapitalistischer Kontextbedingungen.

Zu behaupten jeder Mensch habe Kontrolle über sein eigenes Leben ist schwierig, weil nicht beachtet wird dass es auch gesellscaftliche, ökonomische, politische, bildungspolitische, biologische und psychische Rahmenbedingungen gibt, die es einen sehr erschweren können. Z.B. Diskriminierung, Dis-/Privilegien, Krieg, Verfolgung, Traumatisierungen, Schwangerschaften, Krankheiten gibt. So einfach und simpel wie der Autor es schreibt, ist es leider nicht. Die Welt ist weit komplexer, auch wenn sein Vereinfachungs-Prinzip sich gut, unterhaltsam und erfrischend liest.

Nicht nur jeder Einzelne müsste sich verändern um die Gesellschaft/Welt zu verändern, zunächst muss die Gesellschaft sich verändern damit sich nicht nur einzelne Wohlhabende/Gebildete, sondern auch die Mehrheitsbevölkerung es sich leisten kann genau das zu machen, was Leidenschaft und Begeisterung hervorbringt. Ansonsten sprechen wir nur von der Sinnerfüllung des wohlhabenden Einzelnen, der sich eine Weltreise erlauben kann, aber nicht von Vielen. Somit geht es auch um die Infragestellung und Abschaffung einer kapitalistischen und neoliberal-kolonialistischen Gesellschaft, welche wenig Sinn produziert, aber viel Leiden, Desinteresse, Nicht-Engagement, entgrenzte Arbeit, Überfluss, Konkurrenzdenken, Neidkultur, Unfähigkeit zum Genuss und zur Reflexion durch Muße, Scheuklappenblick, Wegwerf-Mentalität, Beziehungsarmut, Bedürfnisaufschiebung etc. von Menschen verlangt.

Buchrezension: Lelord, François Lelord (2015 [2002]): Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück. München/Berlin: Piper.

François Lelord lebt in Paris und Bangkok und ist (seit 1996 nicht mehr praktizierender) promovierter Psychiater (spezialisiert auf „Kognitive Therapieformen bei Depressionen“), Unternehmensberater und Bestseller-Autor. Neben seinen Fachbüchern wurden insgesamt acht Bücher um die Romanfigur Hector veröffentlicht, die weltweit in 14 Ländern populär wurden. Zu dem hier rezensierten Buch gibt es auch einen 2014 veröffenlichten Spielfilm. Am Schluss des Buches werden biografische Details mit Interviewzitaten aufgelistet, die Parallelen zwischen dem Autoren und seines Protagonisten seines Werkes aufzeigen (siehe 189-192). Er äußert auf die Frage, ob Hector und er die gleiche Person seien, dass da was Wahres dran sei, aber Hector eigentlich noch mehr seinem Vater ähneln würde. Über seinen Vater äußert er dass dieser ebenfalls Psychiater war und seine Patientinnen und Patienten zudem auch als Hausangestellte beschäftigte. Insgesamt wird mit dieser Aussage wohl deutlich dass Lelord aus einer akademischen und wohlhabenden Familie stammt.

Das Buch reiht sich ein in eine Reihe von zahlreiche literarischen Werken und Roadtrip-Filme über Glücks- und Sinnfindung sowie Selbstverwirklichungsthematiken. Hectors Reise ist dabei vor allem ein Buch, dass aus einer westlichen, weißen, wohlhabend-priviligierten, heterosexuellen, hetronormativ-männlichen Perspektive geschrieben wurde und diese Sichtweise auch durch den Protagonisten zentriert.

Der 186seitige Roadtrip-Roman ist unterteilt in Kapitel „Hector ist nicht zufrieden“ (7-11), „Hector stellt sich Fragen“ (12-18), „Hector macht eine wichtige Entscheidung“ (19-22), „Hector bricht nach China auf“ (23-27), „Hector speist gut zu Abend“ (28-32), „Hector nähert sich dem Glück“ (33-37), „Hector ist unglücklich“ (38-42), „Hector nähert sich der Weisheit“ (43-47), „Hector macht eine Entwicklung“ (48-53), „Hector ist nicht verliebt“ (54-59), „Hector ist traurig“ (60-64), „Hector trifft einen guten Freund wieder“ (65-69), „Hector macht sich nützlich“ (70-75), „Hector erhält eine Lektion in Unglück“ (76-81), „Hector lernt eine neue Lektion“ (82-86), „Hector versteht das Lächeln der Kinder besser“ (87-91), Hector hat kein ruhiges Leben mehr“ (92-97), „Hector meditiert über seinen Tod“ (98-102), „Hector ist ein schlauer Fuchs“ (103-106), „Hector feiert“ (107-111), „Hector gewinnt an Höhe“ (112-117), „Hector lernt ein bißchen Geschichte und Geographie“ (119-122), „Hector träumt“ (123-127), „Hector geht an den Strand und rechnet“ (128-134), „Hector holt Auskünfte übers Familienleben ein“ (135-140), „Hector erfährt, daß er nicht blöd ist“ (141-147), „Hector lernt das Glück zu messen“ (148-154), „Hector fliegt nicht auf den Mars“ (155-160), „Hector macht eine praktische Erfahrung“ (161-167), „Hector kehrt zurück an den Ursprung“ (168-173), „Hector erfindet das Spiel der fünf Familien“ (174-179), „Hector hat eine schöne Reise gemacht“ (180-186).

Es geht um einen in einer Midlife Crisis befindlichen Psychiater um die 40 Jahre alt, der unzufrieden ist. Er stösst auf viele Patient_innen, denen es zwar an nichts fehlt und die ihm nicht wirklich psychisch krank aber unglücklich erscheinen, aber auch resistent gegenüber Psychotherapie sind. Somit treibt ihn die Frage um, was ein glückliches Leben ausmacht und wie man es erreichen kann. Aber implizit bekomme ich auch den Eindruck, dass ihn mehr seine eigene Midlife Crisis antreibt, da er gerade auf dem Entscheidungsweg ist was für ein Leben er führen will (z.B. mit oder ohne Kinder, ob er mit Clara noch genug verbindet etc). Daher lässt er seine Lebensgefährtin Clara und seine Praxis zurück um auf eine Weltreise nach Asien, Afrika und USA zu gehen, bei der er verschiedene Menschen nach dem Rezept eines glücklichen Lebens sowohl in beruflicher, gesellschaftlicher als auch privater Hinsicht befragen möchte. Er notiert in einem Notizbuch die Quintessenz seiner Erkenntnisse und Beobachtungen schließlich in kurzen Thesen, die er „Lektionen“ nennt.

Seine Reiseberichte, Gedankengänge und Glücklektionen sind unterhaltsam, leicht und einfach geschrieben. Es ist also eine leichte Lektüre, die man sich im Urlaub oder zwischendurch einmal schnell durchlesen kann. Gerade wenn man Muße hat sich mit seinem eigenen Lebenssinn auseinanderzusetzen, erscheint mir das Buch insgesamt inspirierend. Vor allem finde ich interessant, dass der Autor nicht nur die berufliche Sinnebene, sondern auch die persönlichen „zweckfreien“ Sinnerfüllungen nachgegangen ist. Am spannensten für mich sind die theoretischen Perspektiven im Gespräch mit dem Glücksprofessor sowie der die Stille wertschätzende Mönch. Gleichzeitig hat der Protagonist auch ein Blick für das Glück einfacher und armer Menschen, wie am Beispiel der lächelnden Putzfrauen auf der Wiese und den lächelnden Kindern in Afrika deutlich wird.

Aber es gibt leider einige Punkte, die meine eigentliche Begeisterung für das Anliegen des Buches geschmälert haben und mein Leseerlebnis ins Negative beeinflusst hat: An einer Stelle betont der Protagonist selbst lobend seine soziale Intelligenz als Psychiater, dass er schon anhand des Auftretens und der Kleidung den sozialen Status von Menschen erkennen kann (50). An anderer Stelle möchte er uns weiss machen dass er nicht einschätzen konnte dass die Dame (die sich als Studentin ausgibt) in der Bar eine von seinem Freund bestellte Sexarbeiterin ist (37). Seine karriereorientierten Lebensgefährtin Clara bezeichnet er nur als „gute Freundin“ (19), obwohl es sich offensichtlich um eine Liebesbeziehung handelt (19). Auffallend ist dass er Frauen eher im sexistischen Sinne auf Ihre heteronormative Schönheit und heterosexuelle Attraktivität reduziert darstellt: eine Patientin, die er als „reizend“ bezeichnet (14), die hübschen Frauen in China, die wie aus dem Fernsehen aussehen (33), die besonders hübsche „Studentin“ welche eigentlich Sexarbeiterin ist und in die er sich sofort „verliebt“, die niedliche Kellnerin (40), die sehr hübsche Stewardess (113), die häßliche akut totkranke Passagierin, die laut Hectors Einschätzung auf ihrem Personalausweis mal hübsch ausgesehen habe und sie wohl nicht mehr von Männern angelächelt werden würde, was aus seiner Sicht wohl das Wichtigste für eine Frau sein muss, daher schenkt er ihr in einer akut lebensbedrohlichen Gesundheitssituation ein aufgesetztes Lächeln statt sich Gedanken um ihr gesundheitliches Wohlbefinden zu machen (115), die Cousine einer afrikanischen Zufallsbekannten, in die er sich nur ein bißchen verliebt, weil er keine negativen Emotionen aber das Bett für eine Nacht mit ihr teilt (109-110, 113). All das kann man auch verharmlosend als unbeholfener patriarchaler Altherren-„Charme“ eines notgeilen Protagonisten darstellen, der wegen der emotionalen und sexuellen Unzufriedenheit seiner Beziehung meint er habe das selbstgefällige Recht mit allen Frauen (auch seiner Patientin und sehr viel jüngeren Frauen) zu flirten und seine monogame Beziehungsvereinbarung mit seiner Freundin sowohl sexuell als auch emotional zu brechen ohne eines Ansatzes eines schlechten Gewissens (bzw. der Ansatz wirkt sehr aufgesetzt) (z.B. 39-43). Hierbei wird deutlich, dass diese „Weltreisen“-Glücksuchen-Thematik leider auch ein recht weißer, heteronormativ-/heterosexistisch männlicher und kolonialistischer Blick auf die Welt ist. Durch die leichte Sprache und der z.T. naiven Gedankengänge des Protagonisten wird auf der einen Seite als unschuldig-naiv und sozial unbeholfen dargestellt, der einfach in Situationen gerät von denen er angeblich keine Ahnung habe. Dabei denke ich dass er genau weiss was er tut. So zeigt sich doch, dass es sich um einen sozial kompetenten und analytischen Protagonist handelt, der sich eher unschuldig als „Nice Guy“ darstellen will, auch wenn er es eben nicht ist. Das Problem an dieser Art von Erzählung ist, dass diese offensichtlich gesellschaftlich nicht als problematisch eingestuft wird und dieses sogar Bestseller-Material ist.

Was auch nicht vergessen werden sollte ist, dass sich kaum jemand der Weltbevölkerung eine solche Glücks-Weltreise leisten kann, aber eben jener wohlhabender weißer Mann. Wie wäre die Reise verlaufen wenn der Protagonist eine Frau, nicht-heterosexuell, nicht-weiß und arm gewesen wäre? Wäre das Buch ein Bestseller-Roman geworden, wenn es sich um eine Geschichte einer nicht-westlichen und nicht-heterosexuellen Menschen mit wenige Kapital und Status gehandelt hätte? Auch wenn der Roman suggeriert, dass er auch sozialkritische Perpektiven der nicht-wohlhabenden Perspektive aufgreift, so bleibt der Protagonist vor allem in seiner Comfort-Zone auf seiner Weltreise, auch wenn er einmal in eine lebensbedrohliche Lage gerät. In Afrika erfährt er nebenbei dass sein Freund schwul ist, was aber nicht zu einem offenen Gespräch führt (84). Hector maßt sich an, dass seine auf der Reise notierten Glückslektionen (alle 23 Glückslektionen im Überblick: siehe 143 und 173) nun universal gültig erscheinen und lässt sich diese auch noch durch einem großen Glücksprofessor in USA autoritativ bestätigen (141-167). Zwar wird auch eine weibliche Wissenschaftlerin namens Agnes erwähnt, aber diese wird vom Professor in ihrer Kompetemz degradiert als „tolles Mädchen“ vorgestellt (er bezeichnet sie nicht als kompetente ernstzunehmende erwachsene Person) und am Schluss wird klar dass beide eine Affäre/Beziehung haben, also auch hier die Frau eher als Liebespartner/Lustpartnerin im darstellerischen Vordergrund steht. So richtig sympathisch erscheint mir der Protagonist/Autor wegen seines reduzierten Frauenbildes nicht, auch wenn ich sein Anliegen sich mit einem sinnerfüllten Leben und Menschlichkeit auseinanderzusetzen, eigentlich ziemlich spannend finde. Spannend fand ich auch dass er seine polyamore Glücklektion verschämt verworfen und durchgestrichen hat, aber erwähnt hat (117), wobei er diese Lektion nur auf „mehrere Frauen haben“ begrenzt, nicht auf „mehrere Menschen haben“ gleichberechtigt für alle Geschlechter formuliert hatte. Wobei seine Verhaltensweise absolut nichts mit ethischen polyamoren Lebensweisen zu tun hat, wie sie z.B. im Buch „Ethical Slut“ (1997) erwähnt werden. Denn Polyamorie bedeutet eben gerade nicht zu betrügen im Sinne von Lügen, Doppelleben und Nicht-Authentizität, sondern erfordert radikale Gleichberechtigung der Geschlechter/Gender, Kommunikationsstärke, emotionale Belastbarkeit, hohes Maß an Selbstreflexion und Überwindung von Eifersuchts- und Neidgefühlen, hohes Maß an Gönnen, Mut und radikale Ehrlichkeit, Gefühle von Nicht-Anerkennung der Lebensführung auszuhalten etc.. Der Autor bringt Verliebtheit jedoch schnell in Verbindung mit einem sexuellen Abenteuer und hier nicht so recht zu unterscheiden weiss (85-86, 110). Vielleicht ist dieses wieder eine unbeholfene Sichtweise einer älteren Generation, die einmal kaum Begriffe für Sex findet und auch nicht ohne Scham darüber sprechen kann auch unverliebt Anziehung und Sex zu genießen:

Aber dieser Eindruck hielt nicht lange an, denn die Cousine führte ihn ans Bett (Oder war es Hector, der sie dorthin führte? Schwer zu sagen…), und dann machten sie das, was die verliebten Leute tun, und dazu stieg die Musik von unten zu ihnen hinauf. (Lelord 2015, 110)

Mir kommt jedenfalls der Protagonist nicht so romantisch und naiv vor, wie er sich selbst zeitweise darstellt. Und wenn das wirklich „Verliebtheit“ ist, wenn man nur eine Nacht mit einer attraktiven Frau verbringt obwohl man sie nicht einmal richtig kennengelernt hat, dann erscheint mir seine romantischen Gefühlsfähigkeiten recht verflacht zu sein. Seltsam ist dass jemand der mit 11 Jahren schon Freud angeblich gelesen haben will die Macht der Projektionen in seiner eigenen Abenteuergeschichte nicht selbstkritisch zu reflektieren weiss. Das Erwähnung von Verliebtheit erscheint mir eher als Legitimationsweise um (ungeschützten) Sex zu haben, als dass es sich hier wirklich um ein polyamores Dilemma handeln würde. Das wird an einer Stelle implizit eher verallgemeinert formuliert deutlich, aber ich denke hier geht es um Hector selbst:

Wenn sie jedoch zu viel tranken, verleitete sie das unglücklicherweise zu großen Dummheiten; manche begannen das zu machen, was die Leute machen, wenn sie verliebt sind, aber sie machten es mit egal wem und ohne aufzupassen. (Lelord 2015, 112)

Auf seiner Reise hat er zwei mal seine Freundin betrogen. Es wird in keinem Mal erwähnt, dass er sich mit seiner Freundin ausgesprochen hätte. Man könnte also auch sagen: Der Protagonist begibt sich auf einem Egotrip durch die Welt und versucht dann noch den Leser_innen die Welt in ihrem Sinn zu erklären. Danach kehrt er stillschweigend zur Frau zurück und merkt dass Arbeit nicht das ganze Leben ist, gründet eine Familie mit einer Frau, von der er eigentlich eher gelangweilt ist als dass er sie liebt und mit ihr glücklich wäre. Aber das verkauft er dann als „Happy End“ und als Rückkehr zur Bindung nach dem er sich etwas ausgetobt hat. Ob dieser Mensch wirklich herausgefunden hat was Glück bedeutet? Vielleicht hat er nach seiner Reise wirklich angefangen alltägliche Dinge und Beziehungen mehr wertschätzen zu können. Vielleicht weiss er seine Beziehung mehr wertzuschätzen oder aber er hat sich mit den unbefriedigenden kapitalistischen und familienorientierten Verhältnissen arrangiert, statt mutig zu sein anders leben zu wollen. Ferner zeigt er uns dass ein nicht-authentisches Leben eigentlich ganz okay ist, dass er einerseits scheinbar in Form eines Buches der Weltöffentlichkeit präsentieren kann, aber was doch auch vermutlich ziemlich verletzend zu lesen sein musste für seine Freundin, die einen doppelten Betrug und viel Nichtkommunikation lesen musste. Aber vielleicht hat sie ihn ja auch in der Zeit betrogen und findet das dann gar nicht so schlimm. Oder vielleicht ist das eben die sozial anerkannte Geschichte eines „Charmeurs“ und „Schürzenjägers“, während Frauen mit ähnlichem Verhalten als „Schlampe“ stigmatisiert werden und ihre Geschichten eher nicht erzählbar, da nicht-anerkannt sind. Natürlich wissen wir nicht wie autobiografisch diese Anteile waren und welche Geschichten zur Steigerung der Dramaturgie genutzt wurde. Ich möchte dem Autor hier auch nichts unbewiesen unterstellen, aber da er ja selbst autobiografische Parallelen bestätigt hat (s.o.), so muss man sich hier schon Gedanken machen, ob es beim Autoren es sich wirklich um einem empathischen Menschen handelt oder eher um einen selbstverliebten egozentrischen Trampel, der seine heimlichen Affären zwar einer Weltöffentlichkeit verschlüsselt mitteilt, aber nicht seiner Freundin im persönlichen Gespräch mitteilen konnte.

Manche Darstellungen sind nicht nur naiv, sondern der Autor versucht bewusst auch Stereotype einzubauen. So soll der Psychiater, der Wissenschaftler, der buddhistische Mönch als auch der Business-Freund auch genauso aussehen und sich verhalten, wie man sich eben diese vorstellt. Dadurch erscheinen die normativen Figuren im Roman leider etwas flach und berechenbar. Frauen werden abgesehen von seiner Freundin nicht als Quelle von Intellekt, Kompetenz, Erfolg und Glücks-Weisheit (abgesehen von befragten glücklichen Reinigungskräften auf der Wiese) dargestellt, sondern mehr oder weniger auf dekorativer Attraktivität und Quelle von Gefühlen dargestellt. Die Wissenschaftlerin wird in ihre Kompetenz gleich wieder geschmälert, weil unbedingt diese als Liebespartnerin des großen Wissenschaftlerin dargestellt wird und auch ihre Aussagen nicht eigenständig erwähnt werden. Natürlich wird in Afrika Armut und die politische Lage der Globalisierung kommentiert, in Asien dagegen erscheint die Geschichte mit der Sexarbeiterin die sein weißer Business-Freund ihm bestellt hatte, keine Reflexionen zu Rassismus , Ausbeutung, Kapitalismus und Sexismus/Sextourismus in Gang gebracht zu haben. Auch nach dem Ereignis ist er nach einer kurzen beleidigten Kränkungsphase weiterhin befreundet mit seinem Business-Freund, es erfolgt keine kritische Konfrontation. Zwar hinterfragt der Autor die sozialen Verhältnisse in Afrika und Asien und auch das Verhalten des Business-Freundes, aber er reflektiert nicht seinen eigenen Anteil in seinem Verhalten. Dementsprechend erscheinen seine sozialkritischen Gedanken zur Globalisierung eher als eine Haltung „Die Welt ist nun mal so, man kann sie kaum verändern, aber sich dieser bedienen“, was nicht gerade für eine progressive weltverbessernden Sicht spricht. Nein, es spricht hier eher für eine Sichtweise der Weltflucht, da der Protagonist sich nur der Menschen und Erlebnisse bedient, die für seine Glückphilosophie von Nutzen sein könnten, um dann in seine kleine Welt zurückzukehren. Er verbessert vielleicht seine Arbeit als Psychiater für wohlhabende Patient_innen seiner Stadt und sein Privatleben, aber es hat nicht zum Anlass geführt sich politisch für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Sinnerfülltes Glück wird im Buch somit als privates Glück bzw. Rückzug in ein anerkanntes, aber nicht-authentisches Leben gezeigt, da man den politischen Einflüssen eher ausgeliefert erscheint als diese Welt aktiv mitzubestimmen und zu verändern.