Blog-Themen

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Viel Spass beim Stöbern und viel Inspiration zur Kreativität wünscht

EJ

 

© January 2016 E.J. Tolksdorf

Eigener Raum (2017)

Foto: EJ Tolksdorf, Borkum im Mai 2017.

Sehnsucht nach der Weite

Als Ausdruck der grenzenlosen Möglichkeiten

Des ausgedehnten Raumes

Weg von der Enge, dem Peniblen, der Kontrolle, dem Zwanghaften, dem Überkonformen, dem Abhängigen

Wagnis des eigenen, selbstbestimmtem Raumes

Risiko der Einsamkeit, des Unverständnis, des Randständigen, des Skurilem, der Un-Sicherheit, des Ungewissen, der Unfähigkeit zur Beweglichkeit

Lust und Vorfreude auf Lebendigkeit, Veränderung und dem Neuen

Der eigenen Struktur

Mal unbeugsam

Mal flexibel

Die Ruhe und Stille genießend

Aus mir selbst heraus Kraft schöpfend

Ohne Rechtfertigungsmodus

Ohne Absprache

Dem Bauch- und Kopfgefühl vertrauend

Eigene Wege zu gehen

Mit gestärktem Rücken

Standzuhalten gegenüber den Stürmen alltäglicher Ungerechtigkeiten

Stinkstiefel des Alltags, weichet von mir!

Dauergereiztheit, Launenhaftigkeit, Zynismus, Fokus auf Negativität, Frust abladen, Neid, Misstrauen und Missgunst, ohne Genuss, Energiesauger…

Lasst mich in Ruhe, ich kenn‘ genug Stinkstiefel.

Recht machen kann man es eh nicht.

Ständig wollt ihr übertrumpfen mit Stinkstiefeligkeit.

Ausweglos.

Anstrengend.

Erschöpfend.

Habe keine Energie mehr dafür übrig.

Dinge abzufedern.

Selbst dabei auf der Strecke zu bleiben.

Unterkühltheit 

So reizvoll du sein magst

Möchte dich nicht mehr

Auf Emotionalität, Körperlichkeit, Wärme und Zuwendung verzichten

Apathie 

Unlust

Kaum ertragbar

Für das Selbstverständliche ständig kämpfen müssen

Reizt mich nicht mehr

Ich darf glücklich sein

Und werde es wieder sein







Internationale Medienkunstausstellung: „WILD – Transgender and the Communities of Desire“ (06.04.-18.06.2017 im Edith Russ Haus in Oldenburg)

Foto: EJ Tolksdorf, Mai 2017

Am letzten Sonntag war ich mit einer Gruppe von Menschen in einer sehr empfehlenswerten Medienkunst-Ausstellung in Oldenburg. Hierbei werden u.a. „Stimmen, Strategien und Perspektiven von transgeschlechtlichen Menschen“ (Infoheft zur Ausstellung) dargestellt. Für 2,50Euro (am Tag der Museen und am Tag des CSD Nordwest am 17.Juni 2017 kostenfreien Eintritt) erhalten die Besucher_innen Zugang zu fünf komplexen und mehrdimensionalen Kunstwerken bzw. Kunsträumen. Im ersten Raum wird eine 16minütige Videoinstallation von Pauline Boudry & Renate Lorenz gezeigt, in der ein_e Protagonist_in verschiedene Stimmen von Transmenschen wiedergibt u.a. die der weltweit bekannten Whistleblowerin Chelsea Manning. Und der Punk-Autorin Kathy Acker, die das Plagiieren als bewusste literarische Technik anwandte. Beide wurden für Ihr Handeln verklagt, was weltweite Diskussionen ausgelöst hat. Gegenüber wird ein fotografisches Werk von Zanele Muhali gezeigt. Es enthält tief beeindruckende schwarz/weiss Bilder von südafrikanischen Transmännern und Menschen, die „female masculinity“ (Jack/Judith Halberstam) leben. Es sind keine lächelnden Gesichter oder Opferrepräsentationen, sondern es werden Menschen mit rauher bis feiner Stärke und stummer Mimik nach außen gezeigt. Die Verletzlichkeit ist erahnbar, aber sie bleibt dem_der Zuschauer_in verborgen. Durch die Museumsführung wird der südafrikanische Kontext als im rechtlichen Rahmen fortschrittlich, aber im praktischen Alltag als nach wievor überwiegend homo- und transphob dargestellt. Im Infoheft wird geschrieben, dass es bei diesen Bildern um eine „Würdigung des Kampfes (…) um selbstbestimmtes Leben“ (Infoheft zur Ausstellung) geht.  Zu diesen Portraitbildern mit dem Titel „Faces and Phases“ gibt es auch einen Bildband, den ich mir unbedingt einmal anschauen möchte. Gut an diesem Kunstwerk ist nicht nur der südafrikanische Kontext der Bilder, sondern auch dass hier nicht-weiße Personen im Kontext von transgender und queerer Ausstellungskunst gezeigt werden. Dieses wirkt entgegen der Überrepräsentanz von weißen Personen bei. Die unterrepäsentierte Gruppe der Menschen, die trans masculinity oder female masculinity leben, erhält durch diese Ausstellung auch breite Sichtbarkeit durch den „Tag der Museen“, der ein breites Publikum heterosexueller Cisgender Personen (Cisgender = Personen ohne Bruch oder Nicht-Konformität im Gender; Nicht-Transgender) anzieht.

Etwas gewöhnungsbedürftig empfand ich die Installationen von Johannes Paul Raether „Transformellae“ (Mixed Media). Am interessantesten waren die parallelen Identitätsverläufe. Dann gab es noch Bilder zu einer nonbinären cyborgartigen Performance im Ikea-Unternehmen und Installationen im Raum inklusiver akustischer Medien, die auch als Performance verstanden wurden.

Zutiefst beeindruckt und für meinen Blog thematisch interessant war die 35minütige 3-Kanal HD Videoinstallation von der irischen Künstlerin Doireann O’Malley von 2017 mit dem Titel „Prototypes“. Hierbei werden Menschen „in verschiedenen Stadien ihrer geschlechtlichen Transformation“ (Infoheft zur Ausstellung) gezeigt. Drei Frau-zu-Mann transidente Personen werden gezeigt. Der Rahmen bildet eine tiefenpsychologische Traumanalyse, so die Museumsführerin. Im Film geht es dabei nicht um um Gender, sondern auch um Begehren und Körpererleben. Körperlichkeit wird hierbei mir architektonischem Raumerleben in Verbindung gebracht, so die Museumsführung. Was die Museumsführung nicht erwähnt ist das hier auch u.a. schwules Transmannbegehren gezeigt wird. Da oft in Medien eher heterosexuelle Transmänner repräsentiert werden, ist dieses eine hervorzuhebende Besonderheit dieses Films, der mit unterschiedlichen Sequenzen gleichzeitig auf drei Leinwänden abgespielt wurde. Die tranceartige Musik und die meditative Bildästhetik läd zu einem traumartigen Zustand ein. Bewegend sind die Äußerung des Nicht-Artikulieren/Praktizieren-Könnens eines sexuellem Begehren bei einem prä-hormonellem und prä-operativen Transmann im psychotherapeutischem Traumanalysekontext. Dieser wird zwar mit mittellangen zurückgegelten blonden Haaren gezeigt, sein Auftritt ist aber bereits sehr androgyn, seine Stimme sehr tief und bereits maskulin. Diese Darstellungsweise tritt der überrepräsentierten stereotypen Darstellungsweise von sensationserheischenden Vorher/Nachher-Bildern entgegen. Es gibt keinen binäre „GeschlechtsUmwandlung“ von Frau/Weiblichkeit zu Mann/Männlichkeit, sondern eine Geschlechtsanpassung von Menschen, die bereits gendernonkonform auftreten und deren Männlichkeit im Sinne von „female masculinity“ bereits prä-operativ und – hormonell deutlich erkennbar ist. Sofern mensch offen ist für diese Art von Genderwahrnehmung des zwischen- und transgeschlechtlichen Ausdrucks ist kann dieses wahrgenommen werden jenseits des binären Geschlechterwahrnehmungsfilters. Diese Nicht-Artikulation wird u.a. durch die doppelte und übergroße Traumrepräsentation einer rausgeschnittenen Zunge symbolisiert. Zwei Schnecken, die sich annähernd begegnen, werden in Detailaufnahme gezeigt. Sie repräsentieren nicht nur das Zwischengeschlechtliche, sondern auch das unsichtbare und nicht-sprachlich adäquat ausdrückbare Begehren von Zwischen-/Transgeschlechlichen gegenüber Zwischen-/Transgeschlechtlichen. Dem gegenüber steht eine Cruising-Szene, in der schwules Begehren von post-operativen Transmann zu Cismännerm oder unter Transmännern gezeigt wird. Hierbei wird nicht weiche, sondern harte Männlichkeit repräsentiert. Denn der Transmann zeigt sich in Posen harter Maskulinität und in der Ästhetik von linker bis unpolitischer Skinhead-Kultur mit roten Schnürsenkeln bekleideten Springerstiefeln, Jeans, Poloshirt und Hosenträgern im laufe des Films. Beeindruckend ist auch die Darstellung der androgynen Dandy-Männlichkeit des_der Psychotherapeut_in. Hier ist ein Kontrast zu den harten Maskulinitätsposen zu sehen: Die Person trägt Kajal und einem Schönheitsfleck, kleidet sich im Anzug-Schick der 20er bis 30er Jahre. Also Psychotherapeut_in stellt si_er empathische und eindringliche Fragen, die zum Erzählen motivieren. Die Gesichtszüge und das Auftreten wirken weich. Hierbei wird auf eindrucksvolle Weise gezeigt dass Männlichkeit nicht nur hart, sondern auch weich agieren kann. Und dass Maskulinität auch feminine Züge haben kann, also nonbinär sein kann.

Das fünfte Werk ist unterteilt in verschiedene Werke eines Gesamtwerkes. Es ist von Chris E.Vargas und bennt sich „The Museum of Transgender Hirstory & Art“ (MOTHA). Hierbei handelt es sich um eine imaginäre Vision und Virtualität eines Transgendermusuems. Das Museum existiert also fiktiv und virtuell und gleichzeitig auch räumlich durch den Ausstellungsraum. Auf parodistische und kritischer Art wird begründet, dass ein solches Museum der Unterrepräsentation von Transgender-Geschichte in Museen entgegenwirken würde. Das Museum wird als genauso imposant architektonisch visuell dargestellt wie andere Museen. Ziel von MOTHA sei „den Anteil von Transgender-Personen sowohl an Geschichtsschreibung und Kunst/Kulturproduktion sichtbar zu machen“ (Infoheft zur Ausstellung). Im Austellungsraum wird eine Collage gezeigt mit verschiedenen bekannten und populärer Personen, die dem Transgenderspektrum im ganz weitem Sinne zugerechnet werden. Hierunter wird u.a. auch Charlie Brown, Chelsea Manning, Della Grace Volcano, Grace Jones etc. gezeigt. Ein weiteres Bild daneben zeigte eine Nummerierung der Bilder mit Namen, so dass die namentliche Zuordnung vollzogen werden konnte im klassisch musealen Stil. Eine Ausstellungsbesucherin fragte ob es nicht kritisch zu sehen sei da es die Gefahr eines Fremdoutings beinhalten könnte und somit eine „Beschuldigung“ beinhalten konnte. Eine andere Besucher_in widersprach ihr und sagte dass es eher um eine Kollektion von persönlichen Held_innen („Hiroes“) der Transgender-Geschichte gehe des Künstlers gehe. Abgesehen davon handelt es sich insbesondere um Personen der Öffentlichkeit, die offen oder indirekt mit ihrer Nicht-Konformität umgegangen sind. Ein weiteres Bild enthielt eine Collage von Zeitungsheadlines zum Thema „Transvestism in the News“. Dann zeigte drei Videos parodistisch-satirische Ansprachen des Geschäftsführers von MOTHA. Ein PC ermöglichte den Zugang zum virtuellen MOTHA-Museum der Webseite (http://www.sfmotha.org). Den 57minütigen Film „Screaming Queens: The Riot of Compton’s Cafeteria“ (US 2005) von Susan Stryker und Victor Silverman wurde hier zudem gezeigt. Es handelt sich dabei um eine Doku über Transfrauen und Drag Queens, „die sich 1966 gegen die Polizeischikane in Compton’s Cafeteria im Viertel Tenderlohn in San Francisco zur Wehr setzen“ (Infoheft zur Ausstellung). Leider konnte ich den Film aus Zeitknappheit nicht mehr sehen. Mir wurde aber gesagt er sei empfehlenswert und dass dieser auch auf der MOTHA-Webseite virtuell zugänglich sei. Aber eventuell fahr ich auch noch ein zweites Mal zur Ausstellung ;). So werde ich diesen nochmal in Ruhe anschauen und bei Gelegenheit hier nochmal ergänzend in diesem Blogeintrag zu ’nem späteren Zeitpunkt kommentieren.

Bilder zur Ausstellung wurden auf der Homepage und der Facebookseite des Ausstellungsortes veröffentlicht. Hier könnt ihr bei Interesse einen ersten Einblick erhalten: 

http://www.edith-russ-haus.de/ausstellungen/ausstellungen/aktuell.html
https://www.facebook.com/edithrusshaus/

Also ja: Uneingeschränkt empfehlenswerte Ausstellung! Nicht verpassen 😉.

Seelenschutzgebiet (2017)

Halt, Stopp! 

Bis hier hin und nicht weiter!

„Betreten verboten! Naturschutzgebiet“

Um den See ist das Gebiet abgesteckt

Die schönesten Aussichten bleiben dem Menschenauge verborgen

Um mich herum ist auch ein Zaun

„Seelenschutzgebiet. Trampelei und Einmischung strikt verboten!“

Bis hier hin und nicht weiter.

Gerade in schwierigen Zeiten wird bewusst wie viel Energie in Schutzmechanismen fliest.

Manche Menschen sind nun mal grausam.

In schwerster Stunde

verschonen Sie dich nicht mit 

Rechthaberei

Haarspalterei

Unaufgeforderten Ratschlägen und Kommentaren

Ihrem Frust

Ihrer Streitlust

Ihrer schlecht kaschierten Schadenfreude

Ihrem schlechten Humor

Ihrer Taktlosigkeit

Ihrer Wehleidigkeit

Sticheleien

Ihrem zwanghaften Relativieren á la „es gibt Schlimmeres, ich hatte ein wesentlich härteres Leben als Du“

Halt, Stopp! 

Nicht mit mir.

Du hast keinen Schimmer

Welche Dinge im Hintergrund laufen

Du hast keinen Plan

Halt einfach mal deinen Mund!

Du bist nur am Zaun des Seelenschutzes angelangt.

Du darfst mal rüberschauen

Aber die schönsten und düsteren Dinge bleiben Dir verborgen.

Du hast keine Erlaubnis

In meiner Seele spazieren zu gehen

Du hast keine Erlaubnis

Tief zu graben

Baustellen zu errichten

Du hast keine Erlaubnis

Mich zu vereinnahmen für deine egoistischen Bedürfnisse im Mantel von ungewollter selbstaufopferungsvoller Fürsorge

Du hast keine Erlaubnis

Zu Urteilen, zu Be-Urteilen

Du hast keine Erlaubnis

An vertrauliche Informationen zu gelangen.

Du hast keine Erlaubnis

Den Schmerz zu ignorieren oder kleinzureden

Du hast keine Erlaubnis

Mitleid vorzugaukeln

Du hast keine Erlaubnis

Die Existenz in Frage zu stellen

Du hast keine Erlaubnis

Unaufgeforderte Kritik zu äußern

Du hast keine Erlaubnis

Zeit und Aufmerksamkeit einzufordern

Du hast keine Erlaubnis

Mich mit Neid und Missgunst zu belästigen

Du hast keine Erlaubnis

Zynisch zu werden

Du hast keine Erlaubnis

Mich warten zu lassen

Halt, stopp!

Bis dort hin und nicht weiter!

Seelenschutzgebiet

Reichhaltig und bunt (2017)

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Reichhaltig und bunt

Du bietest mir die Nahrung, die ich brauche

Zum Greifen nah

Erscheint meine Zukunft

Aufbruchsstimmung

Der Frühling zeigt sich stereotyp

Voller Hoffnung

Auf neue Perspektiven

Das Ziele erreicht und Wünsche in Erfüllung gehen

Voller Zuversicht

Das es alles gut sein wird

Voller Erwartung

Auf den bunten Teller des Lebens

Das es zu entdecken gilt

Auf die neuen Facetten, die ich in mir entwickeln und zeigen darf

Um mich weiterzuentwickeln

Selbstzweifel knien nieder

Vor dem Thron der Vision

Schultern so breit und stark

Bieten Halt und Abwehr 

Keine Chance für Neid und Missgunst

Die Spitzen der Niedertracht prallen ab

Akzeptanz der Dinge, die sich nicht ändern lassen

Persönlichkeiten, die erstarrt und unflexibel sind

Sie können nicht aus ihrer Haut

Sie sind eingeschränkt

Aber ich lass mich nicht beschränken

Nicht beeindrucken

Von dem Machtspiel, das sie spielen

Ich bewege mich raus

Dynamisch

Praktisch

Wertorientiert

Du bist zum Greifen nahe

Unabhängigkeit

Ich begrüße dich, meine langjährige Freundin

Ich verehre dich

Du bleibst an meiner Seite

Mein Leben lang

Unbequemlichkeit

Du bist notwendig

Um den Verführungen der unlebendigen Überkonformität und der ICH-Aufgabe standzuhalten

Sie versprechen ein sicheres angstfreies Leben

Im goldenen Käfig

Im Glück unglücklich sein

Das verrückte Leben dort draußen nie gesehen

Immer mit dem gleichen Gefährten im Käfig umgeben

Zwangsweise gefangen miteinander

Abhängig von der Struktur des Außens

Des Wohlwollens und der Laune der Hand, die einen füttert

Gleichbleibende Starre des Alltags

Die Geschmacks- und Sehnerven unter Scheuklappen

Geben sie sich zufrieden mit Unkreativität

Dem dahin Vegetieren

Akzeptieren die Überschreitungen von Grenzen

Um der Schein-Geborgenheit willen

Dauervorwurfs des Double Bind

Dem man nie gerecht werden kann

Du, Anti-Vorbild

Treibst mich an

Gibst mir viel Kraft und Mut

Nicht davor zurückzuschrecken

Vor der Ungewöhnlichkeit

Die in mir steckt

Diese nicht verschämt zurückzuhalten

Sondern ihre Flügel auszubreiten und zu pflegen

Die Wunden wurden geleckt

Sie sind vernarbt

Sie verblassen immer mehr

Dank der beliebten Wund- und Narbensalbe

Kaum noch zu erkennen, dass dort tiefe Schnitte und Nähte waren

Doch die Operation war notwendig

Schimmern sie leicht im Licht der Sonne

Nur ein aufmerksamer Beobachter

Kann sie noch leicht erahnen

Wesentlich auffälliger

Ist das Funkeln in den Augen, dass an das durch die Sonnenstrahlen glitzernde Meer erinnert

Begeisterungsfähigkeit

Willensstärke

Tiefe

Schärfe des Blicks und der Gedanken

Präsenz statt Repräsentation

Die Einfalt weicht der Vielfalt

Die Unoffenheit weicht der Offenheit

Das Leben bejahend

So reichhaltig und bunt







Haben Sie sich schon einen Traum ausgesucht? (2017)

Foto: März 2017, E.J.Tolksdorf.

Im Wartemodus

Ungewissheit über die Zukunft

Was da wächst

Kann ich nicht beeinflussen

Erstarrung

In den Startlöchern stehend

Aber nicht laufen dürfen

Das Leben beobachtend

Aber nicht eingreifen können

Dem Zeitplan und Rythmus anderer ausgeliefert sein

Es ist vorbei

Sonnenstrahlen wecken mich

Ein Schatten wirft sich auf meine letzte Mahlzeit

Überlebt

Es ist vollbracht

Das Ding ist raus

Schmerzen lassen nach

Überlebt

„Habe Sie sich schon einen Traum ausgesucht? Wir hätten da einen Karibik-Traum im Angebot? Sie bekommen jetzt einen leckeren Kokusnuss-Cocktail!“

Blitzschnell 

Ein Traum tut sich auf mit nur einem Stichwort

Ich schmunzel

Kurz vorm Aufwachen

Tiefenentspannt glückseelig träumend

Plötzlich heftigste Schmerzen

Schein-Traum

Was wurde nur mit mir gemacht?

Trotz Betäuben der Schmerzen Schmerzen spüren

Angeschlossen an Kabeln und Maschinen

Ausgeliefert den Menschen in blau

Zaghaftes Lächeln

Nur ich kenne meinen Traum

Meine Zukunft

Der Verzicht auf die Palmen 

Auf den Cocktail, den jeder aus Gewohnheit zu sich nimmt, weil es so schmackhaft angeboten wird

Auf die scheinbare Gewissheit

Ewigkeit

Auf die Starre

Auf die Nicht-Bewegung

Verlässlichkeit

Ich scheue nicht mehr auszusteigen

Aus dem Traum aller Träume

Meinen eigenen unabhängigen Raum zu entwickeln

In dem das scheinbar Unmögliche möglich werden darf

Was andere darüber denken mögen interessiert mich nicht

Lebe ich es doch einfach

Ich lebe einfach meinen Traum

Bin auf die Welt gekommen um meinen eigenen Weg zu gehen

Nicht um Eure Träume zu leben

Eure Wünsche zu erfüllen

Der Weg der Anpassung ist nicht meiner

So gebe ich dir deinen Sahne-Cocktail zurück

Ich bedanke mich herzlich für dein Traumangebot

Aber hier steht das säuerliche Bier

Das kaum jemand mag

Aber das besser zu mir passt

Es ist verdammt bitter

Mein Gesicht verzieht sich

Aber es gibt mir Hoffnung auf Glück

Blogpausen

Hier werde ich ankündigen und dokumentieten, ob und von wann bis wann sich der Blog in einer Blogpause befindet.

– Frühjahr 2016 bis Sommer 2016

– Dezember 2016 bis April 2017

– Ende Mai 2017 bis Mitte Juli 2017

Gegensätze (2016)

Magie der Gegensätze

Die Neugierde wurde mal wieder entfacht

Über mich selbst hinauszuwachsen

Eigene Tabus überschreiten

Das Nichtverstehbare verstehen wollen

Perspektivenwechsel radikal

Wie lernfähig bin ich?

Wo gelange ich an Grenzen meiner Empathie?

Wann setzt die Wut ein?

Wie positioniere ich mich?

Seltsamer Zufall, diese Begegnung

Zunächst machte es mir Angst

Reagierte mit Wut und Ablehnung

Dann kam doch die Offenheit

Und das Verstehen wollen drängte sich an die Oberfläche

Gegensätze, die sich anziehen und die faszinieren

Aber es eint uns eine Gemeinsamkeit, die nischenhaft ist

Das ist besonders – sonst hätte ich mich dir nicht öffnen können

Hätte nie gedacht jemanden wie dich zu treffen

Das Leben schreibt die absurdesten Geschichten

Dir meine Geschichte zu erzählen tat gut

Anders als die Gleichgesinnten interessierte sie dich wirklich

Du fühltest dich ein

Du hast die Verletzung gesehen

Die mir deinesgleichen angetan haben

Wie sie mich dämonisierten und ständig bekehren wollten

Gruselige Dinge einer 16jährigen Person unterstellten, nur weil sie anders denkt und fühlt

Dabei waren sie mehr als gruselig

„Child molester“ heißt es wenn ich meinen ersten Gastvater google

Nicht ich war die Gefahr für Eure Kinder, ihr selbst wart offensichtlich eine Gefahr für sie

Von Glück kann ich sprechen, dass ich verschont blieb

„Only the sick one go to church“ sagtest du, obwohl du selbst sehr christlich bist

Ich bewundere deine Distanzfähigkeit, deine Empathie und deinen Humor

Wir sind so unterschiedlich, aber das macht es spannend

Du ein pfingstlicher Christ und ich ein_ Atheist_

Wir vertreten sehr unterschiedliche Weltansichten, aber in der zwischenmenschlichen Umgangsweise ähneln wir uns irgendwie

Ich werde nicht aufhören dich kritisch zu betrachten, aber gleichzeitig möchte ich fair zu dir sein, denn es macht Spass mit dir zu diskutieren

Zu erfahren wie du dich durchwurschelst mit deinen strengen Moralvorstellungen

Kompromisse findest mit einer scheinbar kompromisslosen Gläubigkeit

Wie du dennoch Dinge auch lebst, von denen ich nicht gedacht hätte sie wären vereinbar mit deinem Glauben

Vielleicht sind sie es auch nicht, aber du schaffst es sie vereinbar und lebbar zu machen

Du entziehst dich der strengen Perfektion und dem wertenden Blick

Innere Stärkung (2016)

Sommer, Strand und Sonnenschein

Erst einen Monat her

Jetzt wirkt es wie eine halbe Ewigkeit

Dass wir an der Surferbar 28 Grad genossen

Das Eis wegschmolz in der Sonne

Dürstend nach erfrischender Limo

In der Nordsee planschend

Plötzlich liegen wir hier

Hustend und keuchend unter der warmen Bettdecke

Erschrocken durch die Explosion einer Thermoskanne, die wohl einen Sprung hatte

Ja, wer hat schon keinen Sprung

Stell‘ ich amüsiert fest

Herbstzeit ist Erkältungszeit

Aber auch Massagezeit

Kuschelzeit

Zeit zum Ausmisten der Wohnung

Und des Psychohaushalts

Ein neues Möbelstück

Symbolisiert die Sesshaftigkeit und Expansion meines Begehrens

Dass ich nicht aufgebe und aufgab

Sondern dafür kämpfend eintrat

Um wieder zu leben

Dein ungelebtes Leben frisst meins nicht auf

Ich bin anders und werde es immer sein

Mein Leben scheint erst mit 33 richtig begonnen zu haben

Und ich lasse es mir nicht mehr nehmen

Ich zeige mich mit allem wie ich bin

Furchtlos

Was wohl die Gesellschaft von mir halten möge

Was die Kollegin denn jetzt denken möge

Ziehe ich es lieber vor schlichte Klamotten des „Standards“ gegen meine punkige und gruftige Klamotten einzutauschen

Sie bei jeder Gelegenheit zu tragen

Möchte ich zeigen wer ich bin

Mich nicht anpassen und unterwerfen vor den Zwängen der Erwachsenenwelt

Die suggeriert ich dürfte das langsam nicht mehr

Die suggeriert ich solle alles Anderssein ablegen um erfolgreich Karriere zu machen

Muss ich mich wirklich beschneiden um in dieser Welt überleben und leben zu dürfen?

Anerkannt zu sein?

Nein, muss ich gar nicht

Das ist nur der Gedanke der Ängstlichen
Angst ist ein gutes Mittel der Unterwerfung unter die Norm

Ich möchte jedoch mutig sein

Ich kann dem schlichten strategischen Schick der aalglatten Karriereorientierten trotzen

Genauso wie ich früher dem Dorfklatsch getrotzt habe

„Was wohl die Nachbarn denken könnten“

Hat vielleicht meine Mutter interessiert, aber nicht mich

Und diese frühere innere Stärke ist zurückgekommen

Fokus auf wer ich selbst bin

Ja, ich darf mich genau so meiner Umwelt „zumuten“

Wenn sie das nicht aushält, was hält sie denn dann überhaupt aus?

Daher möchte ich auch dich ermutigen: Zeig dich in deinen vermeintlich „unzumutbaren“ Seiten und mute dich zu!

Schweige nicht wenn Mist erzählt wird

Sei nicht empathisch mit Arschlöchern wie den Rechtspopulisten á la Donald Trump, die die Diskriminierung jeglichen Andersseins und der grenzüberschreitenden Respektlosigkeit wieder salonfähig machen wollen

Bleib‘ bei dir

Gehe in den Widerstand

Zeige deine innere Stärke

Unnahbar (2016)

Unnahbar ist deine Nähe

Nicht greifbar

Verzehre ich mich nach dir

Meine Komplimente verschallen im höflichen Nichts der Kenntnisnahme

Du erwiderst sie nicht

Kannst sie schlecht annehmen

Aber ich spüre dass sie dir gut tun

Abgeschreckt habe ich dich scheinbar noch nicht

Denn nun suchst du plötzlich meine Nähe

Viel Interpretationsraum und Projektionsfläche liefert das Mysterium

Das du bist und bleibst

Im Hungermodus gefangen

Irre ich umher

Wieviel Zeit uns wohl bleibt werde ich nicht wissen

Das sind die Spielregeln

Die Lust macht mich wahnsinnig

Doch das Hamsterrad schlägt wieder zu

Die allgegenwärtige Unlust und der Zeitmangel werden unerträglich

Hält die Menschen in ihren Bann

Unfähig Kontakte zu halten

Tiefgang zu entwickeln

Dem Kreativen sich zuzuwenden

Da es Muße und Zeit braucht

Prioritäten zu setzen

Leidenschaften nachzugehen

Ihren Willen durchzusetzen

Freundschaften zu pflegen

Spaß zu haben

Verrückt zu sein

Dinge abzusagen

Im unliebsamen Wartemodus

Möchte ich nicht sein

Doch kann ich ihn nicht vermeiden

Muss ihn besser aushalten lernen

Das Leben kommt immer anders als gedacht

Ach siehe es mal positiv: „Qualität statt Quantität!“

Dennoch ernüchternde Realität

Vergraben sich plötzlich alle Mäuse in ihren Erdlöchern

Und kommen beim ersten Sonnenstrahl plötzlich allesamt wieder heraus

Von Neugierde angetrieben

Unverbindlich sich vergnügen und lachen wollen

Doch kaum kommt der Winter

Werden die Zeiten schwerer

Sieht man keine von ihnen wieder

Durststrecken für mich

Doch plötzlich sind sie wieder alle da

Es liegt nicht in meiner Hand

Derweilen lese ich mein Buch

Und schaue dem Schauspiel lieber aus der Distanz zu

„Weniger ist mehr!“

Bleibe ich nun auch ein Mysterium für dich

Unverbindlich und kühl

Statt herzlich und warm









Weg der Willensstärke (2016)

Mut sich Zeit zu nehmen.

Erleichtert atme ich auf.

Ängste zu scheitern lassen nach.

Bisher zog ich alles durch.

Den Berg möchte ich weiter erklimmen.

Schritt für Schritt.

Nicht nach unten gucken, sondern nach oben.

Dem Ziel entgegen.

In der Hoffnung.

Gestärkt unten wieder anzukommen.

Dass es geschafft sein wird.

Irgendwann.

Dass es Sinn macht.

Den ich jetzt zu erkennen versuche.

Trotz ungewisser Zukunft der persönlichen und gesellschaftlicher Entwicklungen.

Runde Sache.

Roter Faden.

Glückgefühle des Erfolgs.

Am Schluss angekommen sein.

Vorfreude auf diesen Moment.

Bruchstücke fügen sich zu einem Ganzen zusammen.

Puzzeln für Erwachsene.

Feiern des Moments.

Ja, ich bin bereit dafür.

Lass es mich angehen.

Jeden Tag.

Ein Stückchen näher kommen.

Frustmomente inklusive.

Vertieft in die Sache.

Mit funkelnden Augen.

Lass ich mir den Spass nicht nehmen.

In annehmbare Weise.

Meine Gesundheit im Blick.

Werde ich es schaffen.

Mit dir an meiner Seite.

Schaffen wir harte Zeiten.

Gemeinsam.

Hinter den Kulissen lächeln Gesichter.

Unsichtbar.

Die nächsten Jahre genießend.

Haben sich die Prioritäten meines Lebens verschoben.

Dinge, die mir früher furchtbar schwer fielen, gehen leicht von der Hand.

„Du bekommst doch alles was du willst. Wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du es auch“.

Den Satz hörte ich öfter.

Willensstark zu sein.

Manchmal mit Neid konfrontiert.

Mein Drang nach Unabhängigkeit und Freiheit.

Anders leben zu wollen.

Vegetieren statt zu leben.

Möchte ich nicht.

Nur das eine Leben steht zur Verfügung.

Höchstwahrscheinlich.

Es lohnt nicht nur zu arbeiten ohne sich zu vergnügen.

Vergnügen schafft Kraft, Lust und Stärke.

Sie führt mich durch den dunklen Pfad.

Selbstzweifel zur Kenntnis nehmend.

Aber abwehrend.

In andere Welten abtauchend.

Entdecke ich so viel mehr.

Die Blätter meiner Persönlichkeit bekommen Licht.

Zweige wachsen in verschiedene Richtungen.

Raum einnehmend.

Umschlingend.

Breiten sie sich aus.

Orientiert an dem Sonnenlicht.

Die Wurzeln schlagen tiefer.

Werde ich wohlmöglich doch hier bleiben?

An diesem Ort, der immer wieder neu entdeckt werden kann.

Wie eine alte Liebe.

Neues kommt nicht nur dadurch dass man Veränderung sucht.

Manchmal kommt die Veränderung ganz von allein.

Das Neue im Alten.

Das Alte im Neuen.

Bin ich bereit für die Zukunft.

So manches muss allerdings erkämpft und verteidigt werden.

Damit die Zukunft ein guter Ort sein wird.