Sauna & body shame

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© Foto: September 2015, Weißer Sand am Strand der Insel Amrum, E.J.Tolksdorf.

Gerade zum Herbst und Winter, wenn es kalt und ungemütlich wird und sich der ganze Körper regelrecht verkrampft, so liebe ich es in die Sauna zu gehen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie Wärme und Hitze und wohltuende Gerüche der Aufgüsse den Kopf frei machen und schnell zu einer Tiefenentspannung bei mir führen.

Den offenen Umgang mit Körperlichkeit in der Öffentlichkeit musste ich mir aber erst hart erarbeiten. Es gab eine Zeit, da habe ich aus verschiedenen Gründen gemieden in die Sauna, ins Schwimmbad oder zur Massage zu gehen. Irgendwann habe ich mir das gesellschaftlich und medial erlernte bodyshaming „abgewöhnt“. Das hat mich als Mensch freier und entspannter gemacht.

Bodyshaming kann ein Effekt verschiedener gesellschaftlicher Normierungen und Machtstrukturen sein.  Viele Menschen erleben Bodyshaming aufgrund von gesellschaftlich und medial verbreiteter fatphobia, trans* & trans*phobia, Sexismen und Heteronormativität, Rassismen, Ageism, Haut-Scham (wie z.B. Neurodermitis, Akne, Akne excoriee und Narben aufgrund dessen, OP-Narben etc.), Ableism, Mobbing aus der Schulzeit etc. Wer bodyshaming kennt, für den*die ist es eine besondere Herausforderung sich und seinen Körper öffentlich zu zeigen, wie er ist.

Ich kann nur alle ermutigen sich nicht zu verstecken. Gehe raus in die öffentlichen Bereiche und tue all die Dinge, die für „die Normalen / die Priviligierten“ ganz selbstverständlich sind.

Manche Menschen mussten sich nie in ihrem Leben mit negativen Blicken und abwertenden und be-schämenden Kommentaren zu dem eigenen Körper aus dem familiären, freundschaftlichen oder gesellschaftlichen Umfeld auseinandersetzen. Andere wiederum haben ihre eigenen negativen Erfahrungen so stark verdrängt und „idealisiert“, dass sie nie das Thema an sich heran kommen lassen würden, sondern lieber andere Menschen dafür leiden lassen (Reproduktion des body shames, vom Opfer zur*m Täter*in). Von einigen ist daher kein Verständnis für diese Art von Prozessen zu erwarten. Sie sind blind für die Leiden der body shaming culture.

Hier ein paar Tipps von meiner Seite: Versuche negative Erfahrungen, Kommentierungen und Bewertungen deines Körpers aus der Vergangenheit abzulegen. Manchmal ist dafür zwischenmenschlicher Austausch, ein Coaching oder eine Therapie hilfreich. Du hast genau das gleiche Recht auf Entspannung wie alle anderen auch. Konzentriere dich ganz auf dich selbst, vermeide es auf die Blicke anderer Menschen zu achten. Oftmals sind die dann ja gar nicht so schlimm wie erwartet. Und wenn doch, dann sollte mensch sich immer wieder sagen, was für Arschlöcher das sind, die es nötig haben einen mit Blicken oder Kommentaren herabzusetzen. Möchte mensch DENEN wirklich die Macht über einen selbst und den eigenen Freiraum überlassen?

Hilfreich ist es auch mit sympathischen Menschen wie einem guten Freund* bzw. einer guten Freundin* in die Sauna zu gehen. Oder sogar eine anti-bodyshaming Gruppe zu gründen, um sich gegenseitig zu empowern. Damit ermutigt und bestärkt ihr auch andere Leute, die die Sauna besuchen. Es ist nämlich oft sehr erfreulich „nicht-perfekte“ Körper in der Sauna zu sehen, das verringert das bodyshaming für alle.

Manchmal ist es aber auch wichtig einfach mal ganz alleine einen neuen Weg einzuschlagen und sich was Neues selbst zu trauen. Vielleicht in einer fremden und neuen Stadt, ganz anonym. Es gibt verschiedene individuelle Strategien, die mensch entwickeln kann, um sein bodyshaming selbst zu überlisten. Und es ist ein unglaublich euphorisierendes Gefühl, wenn mensch es geschafft hat sich von absurden gesellschaftlichen Denkmustern zu befreien und diese überwunden zu haben.

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