Kreativität als therapeutisches Potential

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©Foto: November 2015, Evan Julian als funny diva „Drag Queen“, EJ Tolksdorf.

Im Rahmen von Psychotherapien wird mehr oder weniger implizit oder explizit die Kreativität und Selbstständigkeit des Menschen angeregt. So wird in ressourcen- und lösungsorientierten Ansätzen danach gefragt: „Wie haben Sie bisher versucht ihre emotionalen Probleme zu bewältigen ohne Psychotherapie?“. Eine sehr bedeutsame Frage. Daher möchte ich heute kreative therapeutische Potentiale thematisieren, die für jeden Menschen zugänglich sind. Diese sind für viele gesunde Menschen vielleicht ganz selbstverständlich. Andererseits können die kreativen Potentiale in akuten Krisen unter einem Ballast von anderen Problemen verkümmern und aus dem Blick geraten. Es ist gut sich diese basalen Methoden der kreativen Stimmungsbeeinflussung aber in Erinnerung zu rufen. Natürlich ohne dabei in perfektionistischen Kreativitäts- und Leistungsstress zu verfallen. Es geht hierbei um die Fähigkeit Spass zu erleben und daraus Kraft zu schöpfen für den Alltag und für die Meisterung außergewöhnlich belastender Situationen.

1. Musik und Tanzen

Musik ist wahrlich einer der besten und treusten Freund_innen und Begleiter_innen vieler Menschen. Musik verändert nachweislich die Stimmung des Menschen. So kann das Hören beruhigender, melancholischer, fröhlicher oder aggressiver Lieder in Zeiten von Liebes-, Familien-, Beziehungs-, Arbeits- oder Freundschaftsproblemen und akuten Krisen wirklich befreiend sein. Zu jeder Stimmung gibt es die passende Musik – welch‘ ein Schatz :-)! Musik ist auch dann noch eine loyale Freund_in und Trösterin, wenn nachts bereits die menschlichen Freund_innen schlafen und mensch diese nicht stören möchte. Musik ist zudem ein guter Pausenfüller für zwischendurch, z.B. wenn die Motivation im Studium im Keller ist oder mensch in einer aufregenden Warteposition beruflich oder privat verweilt. Heutzutage ist es so leicht geworden immer an die Lieblingsmusik ranzukommen. Online sind die Lieblingssongs jederzeit und überall über Smartphone und PC z.B. über Internetradios, Spotify, Erwerben von MP3s oder youtube.de etc. zugänglich. Wer es -wie ich- manchmal auch sehr gerne noch retro mag kramt vielleicht auch gerne die alte Lieblings-CD mit Booklet raus. Oder vielleicht sogar: Ein selbst gemixtes Tape (Kassette) oder eine Schaltplatte. Oder hört ganz klassisch einfach den üblichen Radio- oder Musikfernsehsender. Diese können jedoch schnell mit ihrem eintönigen Musikprogramm langweilen. Musik regt auch Bewegung an, wenn Menschen gerne tanzen. Dadurch kann sich auch physisch einiges im Alltag auflockern, es kehrt Leichtigkeit ins Leben zurück, wenn Menschen tanzend und singend durch’s Leben schreiten :-D. Z.B. unter der Dusche oder auf der Lieblingsparty, bei der mensch gerne richtig abgehen kann. Der Atem kann durch’s Singen und Tanzen fließen. Vielleicht spielst du aber auch gerne ein Musikinstrument? Oder wäre es mal wieder an der Zeit zu einem Konzert zu gehen, so wie du es früher oft gemacht hast? Oder legst als DJ gerne Musik auf um Menschen in eine ekstatische Stimmung zu bringen? Oder spielst Du vielleicht in einer Band und magst dich auf diese Weise emotional, körperlich und kreativ ausdrücken? Daher mein Tipp: Lass‘ genügend Raum für Musik in deinem Leben – die Lebendigkeit und Verspieltheit von Musik wird dir gut tun. Vielleicht hattest du auch schon immer den Wunsch mal einen Tanzkurs zu belegen? Ich habe früher als Kind leidenschaftlich Rock ’n‘ Roll getanzt. Vielleicht reizt dich Tango oder Salsa? Dance with somebody!

2. (Kreatives) Schreiben:

Ob Tagebücher, Briefe, Chats, E-Mails, soziale Netzwerke, Messenger, kreatives Schreiben (Bloggen, Kurzgeschichten, Lyrik/Prosa, Songtexte, Bücher):  Im Schreiben liegt ein sehr therapeutisches Potential! Es dient zum Austausch, zur Reflektion, dem Lustgewinn und Kreativität. Nur wenige Menschen sind jedoch wirklich schreiblustig. Es heißt allerdings: „Wer schreibt, der bleibt!“ Daher empfehle ich: Schreibe leidenschaftlich gerne und Du wirst bewusster durch’s Leben gehen ;-). Du wirst in Kontakt mit dir selbst und mit anderen Menschen kommen. Es wird dir ein Gefühl der Verbundenheit geben mit dir selbst und deiner Umgebung.

3. Fotografie:

Die Umgebung mit allen Sinnen und Farben wahrnehmen gelingt insbesondere durch das Medium der Fotografie. Ob Natur-, Architektur-, Personen- oder Landschaftsmotive: Es kommt auf den speziellen Blickwinkel und die Sehgewohnheiten und -experimente an. Auf das Verhältnis von Nähe/Distanz, Detail/Überblick, Farbkombinationen, Position, Schärfe, Zerstreuung etc. Daher meine Empfehlung: Halte die Kamera stets bereit, genieße die kleinen ästhetischen Freuden im Alltag und in besonderen Situationen. Im Smartphonezeitalter ist es auch spielend leicht geworden sogar unterwegs Bilder zu bearbeiten. Bildmomente sind auch Erinnerungen an schöne, schmerzhafte und bittersüße Momente. Manchmal ist es auch erforderlich Bilder zu löschen oder in die unterste Schublade des Unterbewusstseins zu verbannen, um endlich vergessen zu dürfen und neu zu beginnen.

4. Zeichnungen und Malerei

Das Unterbewusstsein lässt sich oft über Bilder erschließen. Manche Menschen mögen ihre Emotionen und Gedanken weniger in Worten aber in Bildern ausdrücken. Ob mit Acrylfarbe, Kohlestifte oder Ölfarben. Eine Kritzelei mit dem Kugelschreiber auf einem Papier oder bewusstes Malen auf der Leinwand. Wann hast du das letzte Mal dir bewusst Zeit genommen um zu zeichnen und zu malen? Lass dich von Kindern inspirieren. Es geht doch so einfach und das Zeitargument ist eine faule Ausrede. Nimm dir Zeit und Muße dafür. Zudem hat Zeichnen und Malen etwas sehr Meditatives und Befriedigendes. Probier’s mal aus.

5. Handwerk, Renovieren und Design

Etwas Handfestes zu produzieren und an etwas rumzuwerkeln. Die Wohnung ganz neu zu renovieren, Möbel umzustellen oder neue Stücke zu besorgen. Oder gar selbst ein Möbelstück zu designen oder ein altes Stück aufzuarbeiten. Das kann unglaublich den Alltag bereichern. Geh‘ doch mal wieder in den Baumarkt, schau dir paar youtube-Videos an oder nimm an einem Workshop in deinem Ort teil. Vielleicht auch einfach mal töpfern?Gestalten macht unglaublich viel Freude. Ob alleine oder zusammen. Just do it!

6. Kochen
Rezepte sind online und über Bücher zugänglich und können selbst kreiert werden. Wie befriedigend ist es sich am Wochenende endlich Zeit zu nehmen für ein 3-Gänge-Menü. Es vorzubereiten und dann mit dem_der Liebste_n zu verspeisen oder Freund_innen oder Familie dazu einzuladen. Es lebe die Kochkunst!

7. Filmen
Nicht nur Fotografie, auch das Filmen kann den Blick für die schönen Dinge des Lebens schärfen. Wolltest du vielleicht schon mal deine eigenen Dokumentation drehen? Oder deine eigene Sitcom, deinen eigenen Horrorfilm drehen etc.? Worauf wartest du? In Zeiten von podcast-Platformen kannst du sogar in Kürze ein großes Publikum erreichen, wenn du magst. Oder du behälst es ganz privat. Wenn du Spaß an Kameraführung hast, dann tob‘ dich aus!

8. Styling, Frisuren und Mode
Makeup- und Modeblogs und -tutorials gibt es wie Sand am Meer. Wenn du Spass dran hast, dann beschäftige dich mit Stylingthemen und entwickel‘ deinen eigenen Style weiter. Vielleicht wolltest du auch immer heimlich ein_e Friseur_in sein oder Maskenbilder_in wer.den. Was hindert dich daran es nicht privat zu sein? Eine Bekannte_r von mir hat z.B. die tolle gemeinschaftliche Idee des freundschaftlichen/gemeinschaftsorientierten Frisierens für sich entdeckt und sich auf Butch-Frisuren spezialisiert. Inzwischen ist die Person richtig gut ausgestattet mit Friseurbedarfsmaterialien. Ich find‘ das so genial. Nicht jedes Hobby muss zum Beruf werden. Create your own style!

9. Spaziergänge
Wann warst du das letzte Mal stundenlang spazieren und hast dich mit Freund_innen bei frischer Luft im Park richtig schön ausgequatscht und viel zusammen gelacht? Selbst in der Stadt gibt es Parks und auf dem Land gibt es auch tolle Möglichkeiten am See zu spazieren. Ein Wellness- und Therapieprogramm ganz kostenlos! 😉

10. Theatralisches
Vielleicht liebst du es aber auch dich stets zu verwandeln und in neue Rollen zu schlüpfen. Immer wieder anders sein und neue Facetten kennenzulernen? Was hindert dich daran dich für einen Theaterworkshop anzumelden oder gar  einer Laienschauspielgruppe anzuschließen? Oder bei den Dragking- und Dragqueenshows aufzutreten? Oder privat dich im Alltag immer wieder als wandlungsfähigen Menschen zu zeigen? Drama, baby! Performance! Show me all your sides. Sei mal etwas „verrückt“. Sei selbstbewusst mit deinen verrückten Seiten :-).

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