Serientipp: Bates Motel (2014)

Liebhaber_innen von düsteren Psychothriller und Kriminalgeschichten werden Gefallen an der Serie „Bates Motel“ finden. Sie enthält allerdings recht heftige Szenen, so dass sie leicht Traumatisierungen triggern kann (emotionale und sexuelle Gewalt/Missbrauch, Inzest), dieses gilt auch als Triggerwarnung für diese Rezension (wer aus verständlichen Gründen nicht weiter lesen mag…). Daher ist sie nicht für jede_n geeignet.

Die Serie „Bates Motel“ ist als Vorgeschichte des Hitchcock-Klassikers „PSYCHO“ in vier Staffeln konzipiert.

Nach der Tötung des gewalttätigen Vaters durch den Sohn beginnen die Mutter Norma Bates und ihr Sohn Norman Bates ein neues Leben. Sie erwerben ein heruntergekommenes Motel und eine alte gruselige Villa in einem Städtchen an der Küste.

Das Verhältnis zwischen Sohn und Mutter erscheint zu Beginn noch ganz „normal“. Dennoch steigt die erste Folge bereits mit heftigen und unerträglichen Szenen ein. Das ungesunde extrem symbiotische Verhältnis zwischen Mutter und Sohn zeigt die subtilen Formen eines emotionalen Missbrauchs und einer inzestiös und sexuell missbräuchlich aufgeladenen Atmosphäre. Die Mutter erscheint auf der einen Seite als taffe, kühle und manipulative Protagonistin, die gleichzeitig als Überlebende von sexualisierter Gewalt in Familienverhältnissen dargestellt. Das symbiotische Verhältnis zwischen Mutter und Sohn sowie zwei Todschlagsfälle lösen u.a. psychotische Schübe, Wahrnehmungsverzerrungen und „Black Outs“ des Sohns aus. Die Überidentifikation mit der Mutter zeigt sich nicht nur in Halluzinationen, sondern auch dass er im Sinne einer multiplen Persönlichkeitsstörung sich selbst zuweilen in die Rolle seiner Mutter begibt und ihre Kleidung dabei trägt. Die Ursachen der ungesunden Mutter/Sohn-Dynamik liegen auf der Hand: Die Mutter stammt ebenso aus einer dysfunktionalen Familie mit einem gewaltvollem Vater, der alkoholkrank ist. In dieser angstvollen Situation entsteht eine ungesunde missbräuchliche Nähe zwischen den Geschwistern, die in sexuell-inzestiöser Gewalt endet. Daraus entsteht auch ein gemeinsam Sohn namens Dylan, der sich stets familiär unwillkommen fühlt. Das Verhältnis zwischen Dylan, Norman und Norma ist sehr angespannt, kühl und gewaltvoll. Im Verlauf der Serie gelingt es jedoch dass sich das Verhältnis bessert. Dylan kommt in Kontakt mit seinem Vater zudem er ein ambivalentes und heimliches Vater/Sohn-Verhältnis hat.

In dem Sohn Norman sucht Norma nun die pure männliche Reinheit und Unschuld. Er ist der Prototyps eines „Muttersöhnchens“ und redet sie stets verehrend mit „Mutter“ an. Sie bindet ihn an sich, kontrolliert ihn und lässt ihn nicht eigene Wege des Erwachsenwerdens gehen. Jeder Versuch einer eigenen Sexualität nachzugehen wird von der Mutter verächtlich und subtil lächerlich machend kommentiert. Der Sohn fixiert sich zunehmend nicht nur emotional sondern auch begehrend auf seine Mutter, die mehrfach Grenzüberschreitungen vornimmt: Sie behandelt ihn als Ersatzpartner (Tröster, Beschützer), zieht sich vor ihm aus, möchte dass sie beide in einem Bett schlafen und in Löffelchenhaltung kuscheln etc. Erst als der andere Bruder dieses kritisch kommentiert nimmt sie Distanz ein, kassiert dafür aber dann Missachtung und passive Aggressivität durch Norman, was sie kaum erträgt. Zudem missbraucht sie auch die Abhängigigkeitbeziehung um ihren Sohn für sich im Motel als Arbeitskraft und später Motelmanager arbeiten zu lassen. Elterliche Verantwortungsaufgaben überträgt sie auf ihren Sohn. Gleichzeitig ist das Verhältnis von erdrückender, ungesunder und gewaltvoller Überfürsorge und -besorgtheit geprägt. Stets wird das ungesunde Nähe-Verhältnis jedoch gegenseitig als „normal“ und „ideal“ verklärt und bagatellisiert. Zwar fragt sich Norman immer wieder was wohl mit ihm nicht stimmt (Gefühl des Andersseins), aber es gelingt ihm aufgrund seines mangelnden tiefergehenden Kontaktes zu Gleichaltrigen nicht die ungesunde Dynamik tiefgreifender zu reflektieren und auf Distanz zur Mutter zu gehen. Zeitweise versucht er abzuhauen, aber seine Mutter und das schlechte Gewissen taucht als Halluzination und Überidentifikation auf, sodass es unmöglich wird sich abzulösen.

Normas Sexualität mit Männern ist für Norman ein Dorn im Auge, er reagiert eifersüchtig, besitzergreifend, ablehnend, distanziert und gewaltvoll. Besonders heftig wird es als sie etwas mit einem Psychotherapeuten und Psychologie-Dozenten anfängt, der sowohl sie als auch ihren Sohn versucht zu „therapieren“ und dabei die Grenzen eines Therapie-/Privatverhältnis überschreitet. Der „Therapeut“ fragt Normen die entscheidene Frage, ob er seine Mutter begehrt. Daraufhin eskaliert die Situation.

Norma und Normen vertuschen mehrere düstere Totschlag- und Mordfälle. Diese binden sie weiter eng aneinander. Das Verhältnis zur Umwelt ist von tiefen Misstrauen und strategischem Vorgehen geprägt um nicht aufzufliegen. Zudem passieren weitere Morde und Mordserien.

Am Spannensten finde ich die Darstellung der ungesunden Elternteil/Kind-Beziehung und deren Konsequenzen. Natürlich ist diese sehr auf die Spitze getrieben.

Rundum: Empfehlenswert für Psychothriller-Begeisterte!

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