Jung geschätzt = unterschätzt (2016)

Jung geschätzt bedeutet unterschätzt zu werden.

Potentiell nicht ernst genommen zu werden.

Das täglich „Sie“ verweigert zu bekommen.

Statt dessen das „Du“ schnell ungefragt aufgezwängt zu bekommen.

Alltägliche Grenzüberschreitungen des (heteronormativen, transphoben, klassenbezogenen) Ageism.

Kompetenz, Qualifikation und beruflicher Status wird missachtet.

„Ach, ich dachte du machst da die Ablage!“ sagt eine nicht-akademische Bekannte zu mir.

„Hast du gerade Abitur gemacht?“ sagt die Kellerin in einem Restaurant, die dachte das das befreundete heterosexuelle Paar wohl meine Eltern sein müssten.

„Zeig mal deinen Perso her“ sagt der Türsteher eines Clubs kurz vor 12 und die Verkäuferin an der Kasse beim Kaufen einer Flasche Wein. „Äh, ich bin über 30!“ „Oh du hast dich aber gut gehalten!“ heißt es.

„Echt? Ihr beide seid tatsächlich zusammen in die Schule gegangen? Das kann ich gar nicht glauben. Du wirkst so jung!“ sagt mein 18jähriger Cousin auf einer Hochzeitsfeier zu mir und einer Schulfreundin.

Ich dachte immer jünger geschätzt zu werden wäre ein Kompliment. Bis ich die unangenehmen Schattenseiten meines bewussten rebellischen Widerstands gegen gender- und alterskonformen und allzu erwachsen-bürgerlich-spießigen Habitus zu spüren bekam. Im Herzen werde ich immer jugendlich-rebellisch bleiben und mir meine kindliche Neugierde und Direktheit auch nicht nehmen lassen. Das macht mich lebendig, kreativ und charismatisch zugleich. Für manches kann ich aber auch einfach nix: Denn scheinbar sind auch gute Gene am Werk, die meine Haut glatt und frisch erscheinen lassen. Das zieht aber auch Neid, Missgunst und Arroganz anderer mir gegenüber wohl an.

Ich steh‘ drüber – denn ich mag mich genauso wie ich bin.

Euer Statusdenken ist mir eh zu wider.

Ich bleibe lieber unterschätzt und überrasche Euch dann gerne.

Tja, nee… ich als Dozent_ und mache Doktorarbeit! Falsch gedacht.

Gerne bin ich dein Undenkbares.

Lieber unterschätzt als überschätzt.

Eure arroganten Blicke verletzen mich nicht mehr. Sie zeigen nur was schief in unserer Gesellschaft läuft. Euren Narzißmus!

Ich brauche keine aufgesetzte Fassade um alters- und statusgemäß , kurz: rollenkonform, zu wirken.

Ich bin ich.

Ich entziehe mich den gesellschaftlichen Erwartungen an mich.

Unabhängig und confident.

Eure Anerkennung und Euren Respekt brauche ich mir nicht erkämpfen und erst erarbeiten. Ich brauche niemandem beweisen wer ich bin. Denn jede_r Mensch verdient Respekt. Egal ob der obdachlose Mensch mit einem harten Schicksal auf der Straße (was im Prinzip jede_n potentiell treffen und aus der Bahn werfen könnte) oder die pubertierende und daher nicht ernstgenommene Jugendliche.

Daher halt deine Nase mal nicht zu weit oben. Bleib‘ mal auf dem Teppich!

Frage doch einfach offen nach was eine Person macht. Statt sich über stereotypes Denken des Lookism, Genderkonformität, Klassendenken und Ageism sich schon ein vorgefertigtes Bild von jemanden zu machen.

Nicht ich, sondern das Statusdenken und Abstempeln ist lächerlich.

Ihr mit Euren abwertenden Blicken und Kommentaren tragt dazu bei, dass das Leben jenseits der 25 unschön angepasst, spießig und langweilig für die meisten Menschen wird!

Ja, meine punkige Attitude beeinflußt vom (political impact of) Rock ’n‘ Roll (vgl. Joan Jett 2015) ist halt nix was sich auf den temporären Zeitraum von „Jugendzeit“, in der mensch mal rollenunkonform sein darf, beschränkt. Es ist eine rebellische Lebenshaltung und -einstellung, die zu mir gehört. Und ja, Mutter, ich trage immer noch gerne schwarz, Bandshirts und Chucks.

Tut mir leid, ich werde mein ICH für nix und niemanden aufgeben. Auch wenn ich dadurch auf gesellschaftliche Privilegien verzichten muss. Dann bekomm‘ ich halt weniger Status, Geld, Anerkennung und Macht. Aber ich muss auch Euren krank machenden beengenden Erwartungen nicht entsprechen.

☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆

Als Empowerment für alle Rebell_innen (und die, die es werden wollen ;-)) hier ein sehr inspirierender Song von Joan Jett, den ich derzeit rauf und runter höre:

Joan Jett – Bad Reputation

I don’t give a damn ‚bout my reputation
You’re living in the past, it’s a new generation
A girl can do what she wants to do and that’s what I’m gonna do

An‘ I don’t give a damn ‚bout my bad reputation
Oh no, not me

An‘ I don’t give a damn ‚bout my reputation
Never said I wanted to improve my station
An‘ I’m only doin‘ good when I’m havin‘ fun
An‘ I don’t have to please no one

An‘ I don’t give a damn ‚bout my bad reputation
Oh no, not me, oh no, not me

I don’t give a damn ‚bout my reputation
I’ve never been afraid of any deviation
An‘ I don’t really care if you think I’m strange
I ain’t gonna change

An‘ I’m never gonna care ‚bout my bad reputation
Oh no, not me, oh no, not me
Pedal, boys!

An‘ I don’t give a damn ‚bout my reputation
The world’s in trouble, there’s no communication
An‘ everyone can say what they wanna to say
It never gets better, anyway

So why should I care about a bad reputation anyway?
Oh no, not me, oh no, not me

I don’t give a damn ‚bout my bad reputation
You’re living in the past, it’s a new generation
An‘ I only feel good when I got no pain
An‘ that’s how I’m gonna stay

An‘ I don’t give a damn ‚bout my bad reputation
Oh no, not me, oh no, not me
Not me, not me

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6 Kommentare

  1. chris · Mai 2, 2016

    Interessante Gedanken.
    Es ist witzig,, dass es bei mir genau umgekehrt war.
    Ich wurde sehr früh gesiezt, als es mir beinahe noch unangenehm war. Ich kam mit 14 in jeden Film und jeden Club. Jetzt, wo ich älter bin, werde ich permanent 10 Jahre jünger geschätzt, was auch nicht verkehrt ist. Umgekehrt stelle ich es mir tatsächlich sehr nervig vor. In der Identifizierung als jemand anders, als man eigentlich ist, habe ich aber auch so meine Erfahrungen gemacht. Da ich einen sehr legèren Bekleidungsstil pflege, habe ich schon des öfteren erlebt, dass man dann quasi als Freak gesehen wird. „Ach sie haben Abitur und ein Hochschuldiplom“, durfte
    ich mir also auch schon anhören. Ja, die Leute sind da sehr fantasielos, unsere Gesellschaft stark von Klischees geprägt. Es wird zwar abgestritten, aber es ist immer noch so!

    Gefällt 1 Person

    • evanjulian · Mai 2, 2016

      Das ist wirklich witzig. Danke für deine Gedanken :-). Mir ging es übrigens auch in der Kindheit/Jugend so, dass ich auch aufgrund meiner Größe immer für älter gehalten wurde. Mit 3-4 wurde ich schon für 6-7 gehalten. Was z.T. auch als Kind z.T. überfordernd sein kann, wenn einem zu früh schon mehr zugemutet wird. So wurde mir sowas wie „Stärke“ zugeschrieben, während andere noch als „süss“ galten und nicht gefordert wurden. Ich kam ab 16 ebenso in Kinofilme, in Clubs etc. ohne Perso vorzeigen während andere diesen ständig vorzeigen mussten.

      Ja, das sehe ich ähnlich. Letztendlich möchte ich durchaus auch lieber für wesentlich jünger als für wesentlich älter gehalten werden. Und ja mir kommen manchmal auch Altersgenossen schon so „altbacken“ vor. Wo ich dann manchmal mich wie im falschen Film fühle und denke, dass ich tatsächlich nicht nur äußerlich sondern auch innerlich einfach mich auch jünger fühle und das eben auch gar nicht anders haben möchte :-). Es gibt aber ja auch genügend Menschen den es sehr ähnlich geht. Und ja die „in Würde altern möchten“, d.h. cool bleiben.

      Ja Klischees halten sich sehr hartnäckig – auch in Kreisen in denen mensch mit sonst recht reflektierten Menschen zu tun hat.

      Gefällt mir

  2. trixisonnenschein · Mai 3, 2016

    Flashback zu meiner Zeit als Dozentin
    Immer wurde ich gedanklich erst mal auf „die andere Seite“ geschoben 😉
    So egal

    Gefällt 1 Person

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