Gegensätze (2016)

Magie der Gegensätze

Die Neugierde wurde mal wieder entfacht

Über mich selbst hinauszuwachsen

Eigene Tabus überschreiten

Das Nichtverstehbare verstehen wollen

Perspektivenwechsel radikal

Wie lernfähig bin ich?

Wo gelange ich an Grenzen meiner Empathie?

Wann setzt die Wut ein?

Wie positioniere ich mich?

Seltsamer Zufall, diese Begegnung

Zunächst machte es mir Angst

Reagierte mit Wut und Ablehnung

Dann kam doch die Offenheit

Und das Verstehen wollen drängte sich an die Oberfläche

Gegensätze, die sich anziehen und die faszinieren

Aber es eint uns eine Gemeinsamkeit, die nischenhaft ist

Das ist besonders – sonst hätte ich mich dir nicht öffnen können

Hätte nie gedacht jemanden wie dich zu treffen

Das Leben schreibt die absurdesten Geschichten

Dir meine Geschichte zu erzählen tat gut

Anders als die Gleichgesinnten interessierte sie dich wirklich

Du fühltest dich ein

Du hast die Verletzung gesehen

Die mir deinesgleichen angetan haben

Wie sie mich dämonisierten und ständig bekehren wollten

Gruselige Dinge einer 16jährigen Person unterstellten, nur weil sie anders denkt und fühlt

Dabei waren sie mehr als gruselig

„Child molester“ heißt es wenn ich meinen ersten Gastvater google

Nicht ich war die Gefahr für Eure Kinder, ihr selbst wart offensichtlich eine Gefahr für sie

Von Glück kann ich sprechen, dass ich verschont blieb

„Only the sick one go to church“ sagtest du, obwohl du selbst sehr christlich bist

Ich bewundere deine Distanzfähigkeit, deine Empathie und deinen Humor

Wir sind so unterschiedlich, aber das macht es spannend

Du ein pfingstlicher Christ und ich ein_ Atheist_

Wir vertreten sehr unterschiedliche Weltansichten, aber in der zwischenmenschlichen Umgangsweise ähneln wir uns irgendwie

Ich werde nicht aufhören dich kritisch zu betrachten, aber gleichzeitig möchte ich fair zu dir sein, denn es macht Spass mit dir zu diskutieren

Zu erfahren wie du dich durchwurschelst mit deinen strengen Moralvorstellungen

Kompromisse findest mit einer scheinbar kompromisslosen Gläubigkeit

Wie du dennoch Dinge auch lebst, von denen ich nicht gedacht hätte sie wären vereinbar mit deinem Glauben

Vielleicht sind sie es auch nicht, aber du schaffst es sie vereinbar und lebbar zu machen

Du entziehst dich der strengen Perfektion und dem wertenden Blick

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Innere Stärkung (2016)

Sommer, Strand und Sonnenschein

Erst einen Monat her

Jetzt wirkt es wie eine halbe Ewigkeit

Dass wir an der Surferbar 28 Grad genossen

Das Eis wegschmolz in der Sonne

Dürstend nach erfrischender Limo

In der Nordsee planschend

Plötzlich liegen wir hier

Hustend und keuchend unter der warmen Bettdecke

Erschrocken durch die Explosion einer Thermoskanne, die wohl einen Sprung hatte

Ja, wer hat schon keinen Sprung

Stell‘ ich amüsiert fest

Herbstzeit ist Erkältungszeit

Aber auch Massagezeit

Kuschelzeit

Zeit zum Ausmisten der Wohnung

Und des Psychohaushalts

Ein neues Möbelstück

Symbolisiert die Sesshaftigkeit und Expansion meines Begehrens

Dass ich nicht aufgebe und aufgab

Sondern dafür kämpfend eintrat

Um wieder zu leben

Dein ungelebtes Leben frisst meins nicht auf

Ich bin anders und werde es immer sein

Mein Leben scheint erst mit 33 richtig begonnen zu haben

Und ich lasse es mir nicht mehr nehmen

Ich zeige mich mit allem wie ich bin

Furchtlos

Was wohl die Gesellschaft von mir halten möge

Was die Kollegin denn jetzt denken möge

Ziehe ich es lieber vor schlichte Klamotten des „Standards“ gegen meine punkige und gruftige Klamotten einzutauschen

Sie bei jeder Gelegenheit zu tragen

Möchte ich zeigen wer ich bin

Mich nicht anpassen und unterwerfen vor den Zwängen der Erwachsenenwelt

Die suggeriert ich dürfte das langsam nicht mehr

Die suggeriert ich solle alles Anderssein ablegen um erfolgreich Karriere zu machen

Muss ich mich wirklich beschneiden um in dieser Welt überleben und leben zu dürfen?

Anerkannt zu sein?

Nein, muss ich gar nicht

Das ist nur der Gedanke der Ängstlichen
Angst ist ein gutes Mittel der Unterwerfung unter die Norm

Ich möchte jedoch mutig sein

Ich kann dem schlichten strategischen Schick der aalglatten Karriereorientierten trotzen

Genauso wie ich früher dem Dorfklatsch getrotzt habe

„Was wohl die Nachbarn denken könnten“

Hat vielleicht meine Mutter interessiert, aber nicht mich

Und diese frühere innere Stärke ist zurückgekommen

Fokus auf wer ich selbst bin

Ja, ich darf mich genau so meiner Umwelt „zumuten“

Wenn sie das nicht aushält, was hält sie denn dann überhaupt aus?

Daher möchte ich auch dich ermutigen: Zeig dich in deinen vermeintlich „unzumutbaren“ Seiten und mute dich zu!

Schweige nicht wenn Mist erzählt wird

Sei nicht empathisch mit Arschlöchern wie den Rechtspopulisten á la Donald Trump, die die Diskriminierung jeglichen Andersseins und der grenzüberschreitenden Respektlosigkeit wieder salonfähig machen wollen

Bleib‘ bei dir

Gehe in den Widerstand

Zeige deine innere Stärke

Unnahbar (2016)

Unnahbar ist deine Nähe

Nicht greifbar

Verzehre ich mich nach dir

Meine Komplimente verschallen im höflichen Nichts der Kenntnisnahme

Du erwiderst sie nicht

Kannst sie schlecht annehmen

Aber ich spüre dass sie dir gut tun

Abgeschreckt habe ich dich scheinbar noch nicht

Denn nun suchst du plötzlich meine Nähe

Viel Interpretationsraum und Projektionsfläche liefert das Mysterium

Das du bist und bleibst

Im Hungermodus gefangen

Irre ich umher

Wieviel Zeit uns wohl bleibt werde ich nicht wissen

Das sind die Spielregeln

Die Lust macht mich wahnsinnig

Doch das Hamsterrad schlägt wieder zu

Die allgegenwärtige Unlust und der Zeitmangel werden unerträglich

Hält die Menschen in ihren Bann

Unfähig Kontakte zu halten

Tiefgang zu entwickeln

Dem Kreativen sich zuzuwenden

Da es Muße und Zeit braucht

Prioritäten zu setzen

Leidenschaften nachzugehen

Ihren Willen durchzusetzen

Freundschaften zu pflegen

Spaß zu haben

Verrückt zu sein

Dinge abzusagen

Im unliebsamen Wartemodus

Möchte ich nicht sein

Doch kann ich ihn nicht vermeiden

Muss ihn besser aushalten lernen

Das Leben kommt immer anders als gedacht

Ach siehe es mal positiv: „Qualität statt Quantität!“

Dennoch ernüchternde Realität

Vergraben sich plötzlich alle Mäuse in ihren Erdlöchern

Und kommen beim ersten Sonnenstrahl plötzlich allesamt wieder heraus

Von Neugierde angetrieben

Unverbindlich sich vergnügen und lachen wollen

Doch kaum kommt der Winter

Werden die Zeiten schwerer

Sieht man keine von ihnen wieder

Durststrecken für mich

Doch plötzlich sind sie wieder alle da

Es liegt nicht in meiner Hand

Derweilen lese ich mein Buch

Und schaue dem Schauspiel lieber aus der Distanz zu

„Weniger ist mehr!“

Bleibe ich nun auch ein Mysterium für dich

Unverbindlich und kühl

Statt herzlich und warm