Seelenschutzgebiet (2017)

Halt, Stopp! 

Bis hier hin und nicht weiter!

„Betreten verboten! Naturschutzgebiet“

Um den See ist das Gebiet abgesteckt

Die schönesten Aussichten bleiben dem Menschenauge verborgen

Um mich herum ist auch ein Zaun

„Seelenschutzgebiet. Trampelei und Einmischung strikt verboten!“

Bis hier hin und nicht weiter.

Gerade in schwierigen Zeiten wird bewusst wie viel Energie in Schutzmechanismen fliest.

Manche Menschen sind nun mal grausam.

In schwerster Stunde

verschonen Sie dich nicht mit 

Rechthaberei

Haarspalterei

Unaufgeforderten Ratschlägen und Kommentaren

Ihrem Frust

Ihrer Streitlust

Ihrer schlecht kaschierten Schadenfreude

Ihrem schlechten Humor

Ihrer Taktlosigkeit

Ihrer Wehleidigkeit

Sticheleien

Ihrem zwanghaften Relativieren á la „es gibt Schlimmeres, ich hatte ein wesentlich härteres Leben als Du“

Halt, Stopp! 

Nicht mit mir.

Du hast keinen Schimmer

Welche Dinge im Hintergrund laufen

Du hast keinen Plan

Halt einfach mal deinen Mund!

Du bist nur am Zaun des Seelenschutzes angelangt.

Du darfst mal rüberschauen

Aber die schönsten und düsteren Dinge bleiben Dir verborgen.

Du hast keine Erlaubnis

In meiner Seele spazieren zu gehen

Du hast keine Erlaubnis

Tief zu graben

Baustellen zu errichten

Du hast keine Erlaubnis

Mich zu vereinnahmen für deine egoistischen Bedürfnisse im Mantel von ungewollter selbstaufopferungsvoller Fürsorge

Du hast keine Erlaubnis

Zu Urteilen, zu Be-Urteilen

Du hast keine Erlaubnis

An vertrauliche Informationen zu gelangen.

Du hast keine Erlaubnis

Den Schmerz zu ignorieren oder kleinzureden

Du hast keine Erlaubnis

Mitleid vorzugaukeln

Du hast keine Erlaubnis

Die Existenz in Frage zu stellen

Du hast keine Erlaubnis

Unaufgeforderte Kritik zu äußern

Du hast keine Erlaubnis

Zeit und Aufmerksamkeit einzufordern

Du hast keine Erlaubnis

Mich mit Neid und Missgunst zu belästigen

Du hast keine Erlaubnis

Zynisch zu werden

Du hast keine Erlaubnis

Mich warten zu lassen

Halt, stopp!

Bis dort hin und nicht weiter!

Seelenschutzgebiet

Reichhaltig und bunt (2017)

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Reichhaltig und bunt

Du bietest mir die Nahrung, die ich brauche

Zum Greifen nah

Erscheint meine Zukunft

Aufbruchsstimmung

Der Frühling zeigt sich stereotyp

Voller Hoffnung

Auf neue Perspektiven

Das Ziele erreicht und Wünsche in Erfüllung gehen

Voller Zuversicht

Das es alles gut sein wird

Voller Erwartung

Auf den bunten Teller des Lebens

Das es zu entdecken gilt

Auf die neuen Facetten, die ich in mir entwickeln und zeigen darf

Um mich weiterzuentwickeln

Selbstzweifel knien nieder

Vor dem Thron der Vision

Schultern so breit und stark

Bieten Halt und Abwehr 

Keine Chance für Neid und Missgunst

Die Spitzen der Niedertracht prallen ab

Akzeptanz der Dinge, die sich nicht ändern lassen

Persönlichkeiten, die erstarrt und unflexibel sind

Sie können nicht aus ihrer Haut

Sie sind eingeschränkt

Aber ich lass mich nicht beschränken

Nicht beeindrucken

Von dem Machtspiel, das sie spielen

Ich bewege mich raus

Dynamisch

Praktisch

Wertorientiert

Du bist zum Greifen nahe

Unabhängigkeit

Ich begrüße dich, meine langjährige Freundin

Ich verehre dich

Du bleibst an meiner Seite

Mein Leben lang

Unbequemlichkeit

Du bist notwendig

Um den Verführungen der unlebendigen Überkonformität und der ICH-Aufgabe standzuhalten

Sie versprechen ein sicheres angstfreies Leben

Im goldenen Käfig

Im Glück unglücklich sein

Das verrückte Leben dort draußen nie gesehen

Immer mit dem gleichen Gefährten im Käfig umgeben

Zwangsweise gefangen miteinander

Abhängig von der Struktur des Außens

Des Wohlwollens und der Laune der Hand, die einen füttert

Gleichbleibende Starre des Alltags

Die Geschmacks- und Sehnerven unter Scheuklappen

Geben sie sich zufrieden mit Unkreativität

Dem dahin Vegetieren

Akzeptieren die Überschreitungen von Grenzen

Um der Schein-Geborgenheit willen

Dauervorwurfs des Double Bind

Dem man nie gerecht werden kann

Du, Anti-Vorbild

Treibst mich an

Gibst mir viel Kraft und Mut

Nicht davor zurückzuschrecken

Vor der Ungewöhnlichkeit

Die in mir steckt

Diese nicht verschämt zurückzuhalten

Sondern ihre Flügel auszubreiten und zu pflegen

Die Wunden wurden geleckt

Sie sind vernarbt

Sie verblassen immer mehr

Dank der beliebten Wund- und Narbensalbe

Kaum noch zu erkennen, dass dort tiefe Schnitte und Nähte waren

Doch die Operation war notwendig

Schimmern sie leicht im Licht der Sonne

Nur ein aufmerksamer Beobachter

Kann sie noch leicht erahnen

Wesentlich auffälliger

Ist das Funkeln in den Augen, dass an das durch die Sonnenstrahlen glitzernde Meer erinnert

Begeisterungsfähigkeit

Willensstärke

Tiefe

Schärfe des Blicks und der Gedanken

Präsenz statt Repräsentation

Die Einfalt weicht der Vielfalt

Die Unoffenheit weicht der Offenheit

Das Leben bejahend

So reichhaltig und bunt